Mitgefühl vs Selbstkasteiung



Wie oft ist mir dieses Thema schon selbst aufgefallen: Warum sind wir bei anderen Menschen soviel lieber, verständnisvoller und einfühlsamer? Warum können wir all diese positiven Gefühle für unser Umfeld aufbringen und nicht für uns selbst? Und bevor jetzt wieder jemand laut schreit: Natürlich braucht unser Umfeld unsere Liebe auch. Aber wir selbst brauchen sie auch.

Outfit (alles selbst gekauft / Werbung, da Markennennung/ Affiliate Links)

Schuhe - Puma
Hose - H&M 
Bluse - C&A
Lederjacke - Zara
Tasche - Boutique Belgique
   






Sobald jemand aus meinem Umfeld eine schlechte Phase hat und seine Leistung nachlässt - er vielleicht die Uni schwänzt, auf der Arbeit nur seine Zeit absitzt, den Sport links liegen lässt und zuhause auf dem Sofa sitzt und Chips isst um eine Trennung oder ein anderes Down zu verarbeiten - oder aber einfach weil er gerade keine Bock auf Leistung hat, dann habe ich vollstes Verständnis. Rede ihm gut zu. Und wenn es mir schlecht geht? Quäle ich mich zum Sport. Gestehe mir kein "Ich bleib heute einfach mal länger im Bett liegen und bin traurig" zu sondern stehe auf und lerne. Auch wenn ich traurig bin. Auch wenn ich Liebeskummer habe. 

Als meine Freunde in der Examensvorbereitung waren, habe ich voll zu ihnen gehalten. Ich wollte ihnen den Rücken freihalten. Wenn andere sich aufs Examen vorbereiten, habe ich vollstes Verständnis, wenn sie sich zurückziehen, keinen Sport mehr machen und sich nur noch auf essen - lernen - schlafen konzentrieren und nach sich gucken. Und bei mir? Erwarte ich, dass ich das volle Programm durchziehe: Arbeiten, lernen, bloggen, Freunde treffen, Trainingsplan einhalten, gesund essen, am besten noch ein englisches oder französisches Buch lesen um meine Sprachen aufrecht zu erhalten. Alles muss laufen. Ich muss funktionieren.



Wenn meine Liebsten mal ein- zwei Kilo zugelegt haben, seit 2 Monaten keinen Sport mehr gemacht habe und sich einfach nicht aufraffen können - so what? Ich liebe sie genauso wie vorher. Ich merke diese 1-2 Kilo gar nicht. Ich finde auch 10kg Übergewicht schön. Das ändert für mich nichts an den Menschen. Und ich selbst? Nur ein bisschen Speck mehr an den Hüften und schon hasse ich mein Spiegelbild. Kann es nicht ertragen, Jeans über meinen Körper zu ziehen und laufe nur in Leggins rum um ja nicht mit meinen Beinen konfrontiert werden zu müssen.  
Wenn ich meinen Sport nicht durchziehe, fühle ich mich fett, eklig, faul - während ich bei anderen Leuten vollstes Verständnis dafür habe, dass sie Stress und keine Zeit für den Sport haben. Mitgefühl für andere vs. Selbstkasteiung - mehr haben wir oft für uns selbst nicht übrig.