Wie Social Media mich verändert hat





Wie Social Media mich verändert hat

Ich lese bereits seit 2011 gerne Blogs und habe einige Bloggerinnen von damals noch heute in meinem Feed. Auf Instagram bin ich zwar seit 2012 irgendwie angemeldet, wirklich aktiv bin ich aber erst seit ca Mitte 2015. Das Bloggen (und damit verbunden auch mein Instagram Account) hat mir vieles ermöglicht: Ich habe Freunde gefunden, konnte mit Firmen zusammenarbeiten und mich persönlich weiterentwickeln. Allerdings gab es auch einige negative Aspekte in meinem Leben - zusammenhängend mit Social Media. Heute lasse ich euch an diesem Wechselspiel "Social Media" teilnehmen.

Ich habe bereits hier einen Blogpost dazu verfasst zum Thema: 
Warum mich Instagram teilweise nur noch nervt

Fangen wir mit den negativen Veränderungen an:


(-) Vergleiche & Unzufriedenheit
Als kleines Konkurrenzgirl habe ich mich natürlich auch in der realen Welt viel verglichen - "Warum hat xy bessere Noten in Mathe?" "Warum ist xy sportlicher als ich?" "Warum ist sie bei den Jungs beliebter?" Alles kleine Teenie-Gedanken, die wohl jedes Mädchen kennt (wie es bei Jungs aussieht, weiß ich nicht). Nun denkt man, mit 24 ist diese Zeit vorbei. Nein.
Instagram bringt uns - bewusst oder nicht - dazu, uns immer zu vergleichen. Dadurch, dass die meisten auch nur wunderschöne, gestellte Fotos posten, sehen wir natürlich auch nur eine heile Traumwelt, während uns aus dem Spiegel morgens unser verschlafenes Gesicht entgegenguckt. Gerade in der Examensvorbereitung (18 Monate keinen Urlaub) macht es mich manchmal wahnsinnig, die ganzen Urlaubsfotos von den ganzen Jetsettern zu sehen, während ich tagein, tagaus in der gleichen Stadt bin. Genauso sieht man natürlich irgendwelche tollen Laufzeiten, die man selbst gerade nicht laufen kann (oder nie laufen wird), schöne neue Goodies, die sich eine Person online bestellt oder in der Stadt gekauft hat oder tolle Autos, während man zuhause mit seinem 230 000km Auto herumzuckelt. Ich hoffe, das klingt nicht als Beschwerde. Ich liebe mein Auto.

Aber die Relationen verschieben sich. Plötzlich bemängelt man Sachen, die früher total selbstverständlich waren. 

(-) Mehr Sport und Fokus auf Essen
Des einen Freud, des anderen Leid. Ich habe das Gefühl, dass ich, seitdem ich auf Instagram ein "Sport"-Profil habe, viel mehr das Bedürfnis habe, auch diesem Profil entsprechend leben zu müssen. Viel Sport, gesunde Ernährung, kein Alkohol und kein feiern fallen mir zwar leicht, ab und an etwas Soulfood gehört für mich dennoch dazu.


(-) Oberflächlichkeit
Ohne wirklich im Bloggerbusiness zu sein, fällt es mir auf, wie oberflächlich diese ganze Welt so ist. Alle haben sich so lieb, man sieht immer "sooo gut aus" und alle sind Mausis. Ich nehme mich selbst da nicht raus, aber ich würde fremden Frauen auf der Straße niemals so ausschweifende Komplimente machen, wie wir es alle auf Instagram tun.


(-) Neid / Missgunst (Kooperationen)
Ich denke, bei den großen Bloggern geht es da sehr viel heißer her, aber selbst bei uns kleinen "Influencern" (schlimmstes Wort ever) geht es darum: "Hast du das zugeschickt bekommen?" "Wieviel Geld hast du bekommen?" "Warum hat xy eine Kooperation mit denen und meine Anfrage lehnen sie ab?" etc. Keiner gönnt dem anderen mehr etwas.


(-) Das Bedürfnis, sich rechtfertigen zu müssen
Esse ich Fleisch, esse ich kein Fleisch, esse ich vegan, esse ich vegetarisch, greife ich zu Süßigkeiten, kaufe zuviel ein, verbrauche zuviel Plastik. Überall kommen irgendwelche Kommentare und ich habe das Gefühl, mich für mein Tun ständig rechtfertigen zu müssen. Nein, danke.

(-) Nicht seine Meinung ändern zu dürfen
Einhergehend mit dem obigen Punkt nun der Folgende. Man hat das Gefühl, nicht seine Meinung und Einstellung ändern zu dürfen. Wenn man einmal etwas so gesehen hat, ist das so, fertig. Was mir schon im "echten" Leben zu schaffen macht: Menschen dazu zu bringen, dich so zu sehen, wie du jetzt bist und nicht, wie du früher warst, ist auf Instagram schier unmöglich.


(-) Perfekt sein zu müssen

Die  ganzen Vergleiche bringen einen dazu, immer das Gefühl zu haben, bei einem selbst müsse es ebenfalls "perfekt" laufen. Du hast dich von deinem Freund getrennt? Versagerin, wer macht denn jetzt die ganzen cute Couple - Pictures. Du lagst den ganzen Tag nur im Gammellook im Bett und hast Netflix geschaut - Das ist aber kein #wokeuplikethis - Face. 

(-) Shopping
Die Werbestrategie hinter Instagram und Blogs funktioniert oft auch bei mir. Ich kaufe mehr und anderen Stuff als ich es ohne Instagram und Blogs tun würde. Die ganzen verlinkten Sachen sind aber auch sooo schön und mit dem Rabattcode gar nicht so teuer.

(-) Mehr Zeit am Handy

Natürlich verbringt man, sobald man anfängt, in der Social-Media-Welt aktiv zu sein, automatisch mehr Zeit am Handy. Das nervt mich selbst, weil es einfach fast immer neben mir liegt: Ob beim Essen, nach dem Aufstehen, beim chillen, etc. Ich hatte früher oft das Gefühl, up to date sein zu müssen.

(-) "Stress"
Nicht selten entschuldige ich mich bei meinen Friends dafür, dass es so lange dauert bis ich antworte - sei es bei Whatsapp oder bei Instagram. Es kostet mich einfach aktuell zuviel Zeit, ich verbringe noch mehr Zeit am Handy und es stresst mich. Deswegen telefoniere ich lieber oder verbringe echte Zeit mit echten Leuten #saukrassoder. Genauso wie Kooperationen mich zwar immer freuen aber manchmal auch im Unterbewusstsein stressen: Du musst noch den Beitrag schreiben, du musst noch die Fotos shooten gehen, du musst noch das posten. Das ist alles sehr leicht vermeidbarer Stress.


Nach diesen ganzen negativen Aufzählungen muss es auch Punkte geben, die mich dazu bewegen, weiter zu bloggen, Fotos von mir zu machen und mich selbst dem Internet zu stellen. Ehrlich gesagt hatte ich letzte Woche ein kleines Instagram-Down. Der neue Algorithmus nervt uns alle, aber mein Feed hat mich auch genervt. Ich habe meine letzten Kooperationen leider sehr schlecht getimet, sodass alles in einer Woche kommen musste und mein ganzer Feed nur noch aus Werbung bestand. Außerdem habe ich viele Bilder gelöscht, die mir selbst zu privat waren: Wer meine Freunde sind, wer meine Familie ist, geht einfach nicht alle etwas an. Deswegen wurde mein Feed drastisch verkleinert und was noch daraus wird weiß ich auch nicht.


(+) mehr Selbstbewusstsein
Früher hätte ich mich niemals getraut, soviel von mir öffentlich zu stellen. Ich fand mich selbst einfach nicht interessant genug, nicht schön genug und fand alle Fotos von mir immer ganz schrecklich. Seitdem ich aber mit dem Bloggen angefangen habe (ernsthaft war das wohl 2015), habe ich mich Monat für Monat selbst mehr kennengelernt (das klingt ziemlich merkwürdig, aber ich stehe hinter den Themen und Beiträgen, die ich schreibe und nehme mich dadurch auch selbst immer wahr) und mich selbst geschätzt. Mir fiel auf: "Hey, du hast ja doch schon einiges erreicht." "Hey, du bist zufrieden mit dem, was du tust." Ich habe seitdem unglaublich viel mehr an Selbstbewusstsein gewonnen, was ich über Jahre nie erfahren habe. Einfach weil ich wusste, wer ich bin und wer ich sein möchte.

(+) Inspiration

Instagram motiviert natürlich unheimlich. Und oft bewegt es mich dazu, mehr für mich und meine Ziele zu arbeiten um "auch mal so schnell zu laufen" "auch mal einen so tollen Body zu bekommen" etc. Auch die Study-Accounts, denen ich folge, geben mir unheimlich viel Ehrgeiz wenn ich sehe, wie fleißig sie am Schreibtisch sitzen und Karteikarten lernen. Auch informative Blogbeiträge und Podcasts (wenn man Podcasts zu Social Media zählen kann) schenken mir neue Anregungen, neuen Input und Inspiration. So finde ich neue Vorbilder, definiere meine Ziele für mich neu und überdenke eingefahrene Wege von mir selbst.

(+) Viele Möglichkeiten
Dank Instagram habe ich schon viele tolle Möglichkeiten bekommen - "gratis" Produkte testen ist nur etwas. Der Köln Halbmarathon und die Einladung durch Saucony waren zB etwas ganz Besonderes für mich, genauso wie damals die Hashtaglove-Lounge in Köln. Auch dieses Jahr bin ich Deutsche Post Ladies Run Botschafter und darf mit Mädels in Wiesbaden an den Start gehen. Das Ganze wäre ohne Social Media niemals möglich gewesen.

(+)  neue Bekanntschaften und auch Freundschaften
Vor allem über Instagram habe ich soviele neue Menschen kennengelernt, mit einigen habe ich leider gar keinen Kontakt mehr, andere wurden gute Freunde, bei anderen trennten sich die Wege. (siehe schon hier) Dennoch ist es immer cool, auch ein paar Menschen zu kennen, die dasselbe machen, wie ich selbst. In meinem "persönlichem" Umfeld bin ich damit ziemlich alleine und niemand versteht den Instagram Struggle :D (Ironie) So kann ich mich über Kooperationen, Instagramentwicklungen, Insta-Gossip austauschen und habe schon viele Kontakte in ganz Deutschland gewonnen, mit denen ich in der jeweiligen Stadt gerne einen Kaffee getrunken habe oder gequatscht habe oder laufen gehe. Auch auf Sportevents sieht man so den einen oder anderen. Es ist einfach schön, was für eine Community dadurch entstanden. 

(+) zu sich selbst stehen
Anfangs war mir mein Blog peinlich und auch heute finde ich Kommentare a la "Feli, die Bloggerin" ziemlich unangebracht. Mit der Zeit habe ich aber gelernt dadrüber zu stehen. Seitdem mein Blog auch eine Facebookseite hat (das hat ziemlich lange gedauert, da ich ewig mein privates Umfeld wenig von Blog + Instagram mitbekommen lassen wollte), weiß eigentlich jeder, dass ich eine Website habe. Ich freue mich immer insgeheim, wenn mir jemand sagt, dass er meinen Blog gerne liest, dennoch ist es mir manchmal unangenehm. Ziemlich widersprüchlich. 


Deswegen behalte ich diesen Blog weiterhin und werde auch ab und an etwas bei Instagram posten. Aber eben nicht mehr soviel wie sonst.