Juristen tragen keine Sneaker und sind spießig


Disclaimer: Der Artikel ist mit Humor zu lesen. Also bitte nicht alles ganz ernst nehmen.

Hallo meine Lieben,
heute gibt es mal ein Thema, über das ich schon ewig schreiben wollte. Vorurteile über Juristen. Klar, die gibt es auch über andere Studiengänge, aber über meinen Studiengang höre ich eigentlich das schlimmste. Also möchte ich heute mit einigen Klischees aufräumen oder sie vielleicht auch eingestehen.

"Typisch Jura" - Erfülle ich diese Klischees?
Wer meine Blog schon länger liest, weiß, dass ich Jura studiere - und im August mein 1. Staatsexamen schreibe. Deswegen gibt es heute einen kleinen Post zum Schmunzeln - "Typisch Jura - Erfülle ich diese Klischees?

Wer mehr über mein Studium erfahren möchte, kann einfach links bei den Labels auf "Studium" klicken und findet dann alle Posts.

Ich habe hier einige "typische" Klischees aufgezählt - ihr dürft gerne ergänzen und in meinen Instastorys nach Juristenklischees gefragt. Wer mir noch nicht bei Instagram folgt: FELINIPRALINI_

Meine liebste Antwort war übrigens: WO SOLL ICH ANFANGEN??? :D 




1. Jurastudenten sehen alle gleich aus
Und schwups, schon haben wir alle das Bild von den Mädels mit der Designertasche, Highheels, Perlenohrringen und Burberry-Schals im Kopf. Genauso wie die Jungs mit Hemd und Sakko. Die obligatorischen Timberlands dürfen natürlich nicht fehlen.
Natürlich kenne ich viele solcher Jurastudenten. Nicht oft habe ich auf Partys jemanden getroffen und habe nur innerlich gebetet, dass wir nicht auf das Thema "Studiengänge" kommen, da ich dachte: "Du studierst sicher Jura." Und na klar: Hornbrille, fette Uhr und Hemd lügt nicht.

Natürlich kennen wir alle solche Leute. Egal ob sie Jura studieren oder nicht. Genauso wie die paar Menschen, die jeden Tag im Anzug in die Vorlesung rennen - ohne dass sie der Prof sind. 

Aber ich kenne auch gaaaaanz viele Jurastudenten, die ganz normal gekleidet sind. Ohne fette Marken, mit normalen Klamotten, mit coolen Sneakern und Rucksack. Ich trage zB immer einen Rucksack in der Uni, einfach weil ich soviel transportieren muss. Und ich trage immer Sneaker und oft auch eine passende Leggins oder Sporthose dazu.

Also: Die meisten Jurastudenten, die ich kenne, wissen, dass man sich nicht über seinen Studiengang definieren muss und auch nicht jedes Klischee bedienen muss. Natürlich sind wir später im Job grundsätzlich recht schick angezogen und tragen in der mündlichen Examensprüfung Anzug und Kostüm, aber das heißt nicht, dass man nur Jura studieren darf, wenn man teure Klamotten trägt und die üblichen Perlenohrringe, Hemden / Blusen, Timberlands und Highheels trägt.





2. Jura - Oh Gott, ihr müsst ja alles auswendig lernen
NEIN. Und NEIN, wir lernen erst Recht nicht das Gesetz auswendig. Das Gesetz ist eigentlich das, was niemand auswendig lernt, da es unser einziges zugelassenes Hilfsmittel im Examen ist. Wir können also immer reingucken. Ich glaube, dass man in vielen Studiengängen mehr auswendig lernen muss. Wir lernen eher auf Verständnis. Natürlich ist es gut, je mehr wir uns davon auch behalten, aber das Verständnis für Sinn und Systematik der Normen ist dann doch um einiges wichtiger.

Als typischer "Ich hasse auswendig lernen"- Student habe ich das Studium bisher gut überstanden und bleibe bei meiner Aussage, dass ich nichts anderes studieren wollen würde. Ein bisschen was (Definitionen) muss man sich einfach reinziehen, der Rest ist Verständnis und Interesse.


Mein zweiter Lieblingskommentar: "Gremlins. Man sieht sie nie bei Tageslicht. Jurastudenten sind quasi Tote. Freunde, von denen man weiß, dass es sie gibt, aber man hört nur einmal im Jahr von ihnen und sieht sie nie. Der natürliche Lebensraum ist die Bibliothek"




3. Wenn ihr eure Gesetze mitnehmen dürft, ist das ja alles ganz easy.
EHM NEIN. Leider ist bei Jura ungefähr alles umstritten, nicht umsonst gibt es unzählige Skripte, Lehrbücher, Kommentare, Urteile, Zeitschriften und und und. Das Gesetz ist das Einzige, was wir in der Klausur haben und es ersetzt leider nicht unser gelerntes Wissen im Kopf. Lernen gehört einfach dazu im Jurastudium.



4. Juristen sind Streber
Streber (Duden) = Jemand, der sich ehrgeizig und in egoistischer Weise um sein Fortkommen in Schule oder Beruf bemüht. Es stimmt. Die Welt der Juristen ist eine Ellenbogengesellschaft. Viele halten sich für etwas Besseres, einfach weil sie für Rechtswissenschaften eingeschrieben sind. Jura ist natürlich um einiges besser und wichtiger als andere Studiengänge. Ich muss sagen, dass uns das Ganze von Beginn an in der Uni beigebracht wurde. Man wird immer in Konkurrenz bewertet, denn die vollen 18 Punkten der Lösungsskizze zu erreichen, ist schier unmöglich.
Versteckte Aufsätze, die man für die Hausarbeit braucht, versteckte Lehrbuchseiten und hinterlistiges Verhalten - Vorenthalten von Lehrmaterial genauso wie vornherum beste Freunde, hintendrum nur am Lästern - all das kenne ich leider hautnah von meinem Studium. Umso froher bin ich, dass der Großteil meiner Freunde mit Jura nichts am Hut haben und mich ab und an auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Nicht falsch verstehen, ich habe einige gute Freunde im Studium gefunden und auch einige ganz "normale" Menschen kennengelernt, die hilfsbereit und freundlich sind. Aber auf viele treffen diese Klischees wie "eingebildet" "arrogant" "spießig" "schnöselig" einfach zu. 



5. Jura - Ne, das ist ja voll trocken.
Natürlich hat jeder andere Interessen und Vorlieben - aber in meinen Augen kann man sich gar nicht nicht für Jura interessieren. Denn Jura - das ist in meinen Augen die ganze Welt. Jeder kleine Vorgang in unserem Leben ist rechtlich zu bewerten und zieht Konsequenzen nach sich. Die Tagesnachrichten, die Politik, der tägliche Einkauf - das ist alles Jura. Natürlich gibt es viele Menschen, die sich heutzutage lieber nur mit sich selbst, ihrem Aussehen, ihrem Körper und ihrer Schminke beschäftigen. Alle anderen, die in der Realität angekommen sind und wissen wollen, was so abgeht, werden früher oder später mit Jura in Berührung kommen. 



6. Ohne gutes Examen bist du verloren.
Nein. Du bist ja auch nicht mit deinem 2.7 Bachelor verloren.
Ich selbst bin noch nicht in der (juristischen) Arbeitswelt angekommen und kann das nicht beurteilen, aber diese Standardsätze a la "Jura - Oh bei den ganzen, die das auch studieren, kannst du dich direkt beim nächsten Taxiunternehmen melden" machen mich wahnsinnig aggressiv. Du gehörst mit einem Prädikatsexamen (9 von 18 Punkten) schon zu den besten 15%-20% (ja nach Kampagne). Und ja, da sind ziemlich viele Punkte, die man als Normalsterblicher niemals erreichen wird. (Statistik: hier)
Komischerweise kenne ich ziemlich viele Juristen, die nicht das magische Prädikatsexamen erreicht haben und trotzdem einen guten und sicheren Job haben. Merkwürdig. ;)


7. "Jura? - Ne, das könnte ich nicht"
Aus welchem Grund auch immer, diese Aussage höre ich ziemlich oft. 
Ja, ich lerne seit 13 Monaten ohne wirklichen Urlaub auf mein 1. Examen hin, welches im August stattfindet - insgesamt lerne ich also 18 Monate. Und das ist auch nicht "übertrieben" oder "viel zu früh mit dem lernen begonnen", darauf ist eine Examensvorbereitung ausgelegt. Die ganz Krassen ziehen das Ganze in einem Jahr durch. Grund dafür ist, dass man am Ende einfach alles beherrschen muss, was man in 4+ Jahren Studium so gelernt hat. Und abstrakt anwenden - denn oh, wie komisch, wir lernen eben nicht alles auswendig sondern müssen viele Transferleistungen erbringen. 


Also: In meinen Augen sind Jurastudenten nicht mehr und weniger spießig als andere Studenten auch. Und ich trage kaum andere Schuhe als Sneaker.
Meine liebsten Modelle (aktuell) habe ich euch in einer kleinen Collage zusammengestellt.




Mein Outfit:

Jeans - Levis 710 
Bluse - Esprit 

Blazer - Pull & Bear (hier* / Affiliate Link)