Warum unrealistische Ziele dir mehr schaden als dich weiterzubringen



"Du nimmst dir auch immer zuviel vor, oder?" "Du setzt dir deine Ziele viel zu hoch" Das sind Sätze, die ich schon sehr oft gehört habe. Oft, wenn etwas nicht geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Und ja, ich stehe dazu. Ich habe hohe Erwartungen an mich selbst und setze mir hohe Ziele. Allerdings achte ich darauf, dass diese Ziele nicht unrealistisch hoch sind. Denn das demotiviert mich, zieht mich runter und führt zu einer permanenten Unzufriedenheit mit mir selbst. Warum?

Weil man manche Dinge einfach nicht (mehr) erreichen kann. Ich nehme mir weder vor, Staranwältin in NY, der nächste Steve Jobs etc zu werden, noch eines Tages bei Olympia mitzumachen, weil beides in meiner Situation einfach sehr unrealistisch ist. Diese Ziele hätte ich in einem anderen Lebensabschnitt fassen und daran arbeiten müssen.  Wir dürfen bei unserer Zielsetzung den Wirklichkeitbezug nicht verlieren. Hohe Ziele sind super, sind ein Ansporn und führen dazu, dass wir wirklich alles geben. Aber sich ein Ziel zu setzen, welches man gar nicht erst erreichen kann - führt auf lange Zeit eher zum Rück- als zum Fortschritt. 
Einige Beispiele meinerseits.


Uni 
Ich studiere Jura (mehr zu meinem Studium in diesem Post) und ich schreibe nächstes Jahr im August mein 1. Staatsexamen. Was für ein Druck dabei auf einem lastet, können wohl nur Leidensgenossen verstehen. Denn wenn ich durchfalle, stehe ich mit einem Abitur in der Tasche da. Nach 6 Jahren Studium. Und die hohen Durchfallquoten sind bekannt. 

Ich könnte mein Ziel natürlich unrealistisch formulieren und mir vorschreiben, dass ich unbedingt zweistellig schreiben möchte. In unserem Studium ein Glück, welches sehr, sehr wenigen (in RLP ca 5%) vorbehalten ist. Ein Prädikatsexamen war schon immer mein Ziel und ist - an einer staatlichen Uni - auch ein hoch gestecktes, aber realistisches Vorhaben, was an meiner Uni immerhin über 15% erreichen. Dennoch ist es nur mein A - Ziel (ich setze mir immer A, B und manchmal sogar C Ziele, um aus jeder Herausforderung positiv gestärkt hervorzugehen). Mein A Ziel ist das Prädikatsexamen, das B - Ziel ein befriedigendes Ergebnis und das C- Ziel: einfach "nur" bestehen. Denn damit habe ich schon einen Abschluss in der Tasche und etwas erreicht. 

Sport
Beim Sport gilt dasselbe. Natürlich kann ich mich jeden Tag mit Leistungssportlern in meiner Sportart vergleichen und daran verzweifeln, weshalb ich nicht 36 Minuten auf 10km laufe, sondern 10 Minuten langsamer unterwegs bin. Egal wie gut ich werden würde, wieviel schneller ich jeden Wettkampf unterwegs wäre, ich wäre nie zufrieden. Denn ich würde ja niemals eine Zeit von 36 Minuten auf 10km erreichen.
Körper
Früher wollte ich immer dünn und zierlich sein. Bei meinem muskulösen und breiten Körperbau ein unmögliches Unterfangen. Dieses "Ziel" habe ich nur mit 500 Kalorien am Tag und faktisch keinen Kohlenhydraten oder Lebensfreude erreicht. Ist es das wert?

Sinnvoller ist es stattdessen, mir kleine Ziele zu setzen, die ich mit einem realistischen Aufwand erreichen kann. Wie beispielsweise 2 Kilo abnehmen, endlich wieder in meine Lieblingshose zu passen oder auch einfach meinen Körper so zu akzeptieren wie er ist, anstatt ihn dauernd verbessern oder optimieren zu wollen.

Leben
Auch wenn ich keine bin, die sich über "Statussymbole" definiert und ich eher nach neuen Laufschuhen strebe als nach einer Designertasche, bekommen wir alle täglich auf Instagram neue Luxus-Lebensstile vor Augen gehalten, die für uns in der Schulzeit unrealistisch und unmöglich erschienen. Als Kind war ein paar Chucks schon ein ultimativ cooler Schuh, der für 60 Euro dafür, dass man fast wieder rauswächst, sobald man ihn hat, sehr teuer war. Heutzutage bekommen Kinder AirMax für 100 - 150 Euro an den Fuß gesteckt, werden mit Designersachen zugeknallt und verlieren darüber hinaus den Blick dafür, was wirklich zählt im Leben. Denn fehlerfrei vorlesen oder schreiben können die meisten nicht mehr - ein Smartphone ist ja auch viel cooler als ein langweiliges Buch. Ich finde es sehr wichtig, bodenständig zu bleiben und sich realistische Ziele zu setzen: wie beispielsweise bis zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen Abschluss zu machen, von zuhause auszuziehen, sich nächstes Jahr einen Urlaub zu genehmigen oder auf ein bestimmtes Paar Schuhe oder Kleidung sparen, was man schon ewig haben wollte, anstatt sein Geld für Artikel aus dem Fenster zu hauen, die einem einen gewissen Status sichern. 


Mit diesen Beispielen möchte ich es nur verdeutlichen, dass ich ganz schnell - wie viele andere - dazu neige, mir Ziele zu setzen, die für andere erfüllbar sind - aber für mich in diesem Lebensabschnitt, in dem ich mich gerade befinde eben nicht. 
Ich kann beispielsweise nächstes Jahr keine krassen Wettkämpfe wie meine erste Mitteldistanz oder meinen ersten Marathon hinlegen, weil ich verdammt viel lernen muss für die wichtigste Prüfung meines bisherigen Lebens. Manche Dinge müssen einfach hinten anstehen. Auch wenn es weh tut, man es doch so gerne auch so gut könnte wie all die anderen und sich faul, langsam und träge fühlt. Stattdessen setze ich mir kleine Ziele: regelmäßigen gemäßigten Sport - ab und an ein paar kleine 5km und 10km Läufe, den Spaß beim Schwimmen wiederfinden, regelmäßiges Lernen, Auf-Stand-Bleiben im Repetitorium, mir Zeit für meinen Freund, meine Freunde und Familie zu nehmen und etwas abzuspecken, sodass ich mich noch wohler fühle, als jetzt. Aber das muss nicht heute passieren. Nicht morgen. 
So bleibe ich motiviert und am Ball anstatt "das Handtuch" zu schmeißen, weil ich einsehe, dass ich niemals nur 50 Kilo wiegen werde, 5km in 19 Minuten laufe, das beste Examen des Landes schreibe oder welche unrealistischen Ziele man sich noch manchmal erträumt hat. Träumen ist gut, Machen und Erreichen ist besser. 




Top: Mango
Tasche: Boutique Belgique
Sonnenbrille: Mango
Hose: Pull & Bear
Schuhe: Stan Smith






Kommentare :

  1. Hallo meine liebe, danke für deine Worte auf meinem Blog.
    Erst mal siehst du super entzückend aus!
    Und das klingt als würdest du dich selber in Druck ausüben in allem perfekt zu sein. Ein Mönch imK Kloster hat mal gesagt"man darf keine Erwartungen haben, nicht an Situation, Dinge und erst recht nicht an dich selber".


    Küsse aus Indien, meine Frage, hast du jemals etwas mit Elefanten reiten erlebt? Und was sind deine Lieblingstiere. Freue mich auf Dich, deine Laura

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  2. Hey meine liebe Feli,

    die Fotos sind echt wunderschön geworden und dein Outfit ist klasse <3
    Ich finde deinen ehrlichen Schreibstil echt super und du triffst mal wieder voll ins Schwarze!

    XXX,



    Wiebke von WIEBKEMBG



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  3. Schöner Post! Die A- B- und C-Ziel-Methode ist wirklich geschickt, da kann man für jeden Schritt stolz auf sich sein =)
    Love, Héloise
    Et Omnia Vanitas

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  4. Meine Liebe, ich stecke mir manchmal auch etwas zu hohe Ziele und bin dann -vielleicht- enttäuscht, wenn es nicht zu 100 % so kommt, aber im großen und ganzen versuche ich auch meine Ziele realistisch zu halten :-). So realistisch wie möglich eben.
    Liebste Grüße, Melina
    http://www.melinaalt.de

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  5. Oooh ja, da gebe ich dir auf jeden Fall recht! Jeder Mensch sollte sich Ziele setzen und diese sollten nicht zu hoch sein, aber, dass werden die Personen bestimmt merken, wenn sie zu hoch sind oder nicht; Niederlagen oder das Ziel wird nicht erreicht.
    Ich persönlich setze mir tagtäglich kleine Ziele was ich erreichen möchte für diesen Tag und es passt immer sehr gut, denn mittlerweile kenne ich mein Tempo, meine Stärke und meine Willenskraft und Motivation und weiß, was ich erreichen kann :)

    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim lernen für dein Staatsexamen, du wirst es schaffen :)
    Liebe Grüße,
    magadeava von https://lifestylemeetsmagdaeva.blogspot.de/

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