„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“



Ich habe lange überlegt, ob ich als Blogpost wirklich ein Bibelzitat nehmen kann, sehe aber nicht ein, was dagegen sprechen soll, wenn kein anderer Titel so zutreffend ist.

Als ich Louisas (aka Fit Trios) Post auf Instagram (diesen hier) zum Thema Neid gelesen habe, konnte ich ihr innerlich nur zustimmen. Denn auch wenn ich bei weitem nicht so viele Follower habe, wie sie, erlebe ich auch oft Ähnliches im echten Leben- ob bei mir selbst oder bei anderen.

Bevor eine Entscheidung, die ich treffe, von meinem Umfeld angenommen wird, wird sie erstmal kritisiert und hinterfragt. Sei es, dass ich wieder Halbmarathon gelaufen bin obwohl ich schon nach dem zweiten sagte: "Erstmal keinen Halbmarathon mehr", dass ich in den Ferien doch um einiges mehr gelernt habe und es nicht geschafft habe, jeden Tag ohne Wecker aufzustehen, dass ich kein Fleisch mehr essen möchte, dass ich mein Examen nun nach 18 Monaten und nicht nach 12 Monaten schreibe, dass ich mich überwiegend pflanzlich ernähren möchte, dass ich etwas geshoppt habe, was früher nicht meinem Stil entsprach, dass ich wieder mehr blogge und mehr Sport mache, weil es mir hilft, abzuschalten und und und - sei es auf Instagram oder "im wahren Leben". Accounts mit größerer Reichweite haben da bei weitem mehr kontraproduktiver Kritik und Anfeindungen zu ertragen, trotzdem ist es ein Thema, was uns alle betrifft und was wir wohl alle kennen, auch abseits von Social Media.

"Wenn du vegan bist, darfst du aber auch kein Leder mehr tragen." "Weißt du eigentlich wie scheiße H&M ist?" "Wenn du schon auf Tierversuche achtest, warum dann nicht mehr auf Kinderarbeit bei Textilien und Schuhen?" - Ganz nach dem Motto: Du kannst es eh nicht 100% richtig und nachhaltig machen - also mach es lieber gar nicht.

Ich bin ein Mensch, der sehr viel schwarz-weiß denkt - wahrscheinlich viel zu viel. Entweder ganz oder gar nicht. Doch in manchen Bereichen geht alles gar nicht. Dann müssten wir schlichtweg aufhören zu leben. Ich bin nicht radikal. Aber ich möchte nach und nach einen Schritt zu einem nachhaltigeren Leben führen. Und dazu gehört in meinen Augen dazu, nach und nach zu einer pflanzenbasierten Ernährung zu finden, erste Schritte in Richtung "Zero Waste" zu machen und dem Konsumwahn abzuschwören. Ich kann und möchte aber nicht von heute auf morgen keinerlei Klamotten und Sachen mehr besitzen, nie wieder ein Stück von einem Kuchen essen, der Ei und Milch enthält und radikal alle Klamotten wegwerfen, die unter unfairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Ich brauche meine Kosmetik- und Schminksachen auf, die leider an Tieren getestet wurden - einfach weil Wegwerfen das Ganze noch mehr unterstützen würde. Dann wären die Tierversuche komplett umsonst geworden. Bevor wir einen Joghurt wegwerfen, weil er bereits seit einem Tag abgelaufen ist, esse ich ihn lieber. Wegwerfen macht es nicht besser. 


Seitdem ich vor einigen Wochen beschlossen habe, kein Fleisch mehr zu essen - erst still und heimlich für mich, dann für die ganze Welt, bekomme ich viele Reaktionen darauf zu hören. Von "das hältst du eh nicht durch" über "hoffentlich bekommst du keine Mangelerscheinungen" bis zu "Ich esse gerne Fleisch". Die meisten Reaktionen kommen aber in der Form, dass mir auf einmal jeder erklärt, warum er (kein) Fleisch isst, wo das Fleisch, was er isst, herkommt, dass er gegen Massentierhaltung ist, dass Fleisch essen zum Menschsein dazu gehört, etc etc. Auf einmal rechtfertigen sich alle vor mir, warum sie doch noch Fleisch essen. 
Dabei habe ich in keiner Weise gesagt, dass ich sie vegetarisieren / veganisieren möchte. Jeder kann das so handhaben wie er es möchte. Ich werde es nicht gutheißen wenn jemand sich die Billigsalami für 99 Cent kauft, aber ich finde es gut, wenn man darüber nachdenkt, wo das Fleisch herkommt, was man kauft und es bewusst in dem Gedanken zu sich nimmt, dass es einmal ein Lebewesen war. 

Ich vertrete die Ansicht, dass jeder so nachhaltig leben sollte, wie er kann und möchte. Mir ist es lieber, dass jemand, der partout nicht auf Eier verzichten kann, sich aber ansonsten rein pflanzlich ernähren möchte, dann sich pflanzlich mit Eiern ernährt als sich denkt "fuck this, ich schaffe es eh nicht" und hallo Fleisch aus Massentierhaltung, Milch für 50 Cent und Eier aus der Legebatterie. Genauso wie ich lieber weniger shoppe und mehrmals darüber nachdenke, ob ich dieses Teil jetzt kaufen sollte, weil ich mir einfach nicht einen Kleiderschrank mit 100% nachhaltiger Kleidung leisten kann, als sich zu denken, es gibt eh überall Kinderarbeit und die komplette neue Discounter Kollektion zu kaufen.



Outfit
Bluse - Urban Outfitters (alt)
Schuhe - Adidas Stan Smith
Uhr - Cluse 
Hose - New Look(hier - keine Kooperation oder Affiliate, einfach weil so viele gefragt haben)



Fotos : Erie Ehrenberg (Facebook / Instagram)


Kommentare :

  1. Schöner Text! Ich denke, jeder hat seine Dinge, die er gut macht, und andere Bereiche, in denen er es "falsch" macht, und das ist halt nicht immer dasselbe. Ich kann z.B. super auf Billigsalami verzichten, aber nicht auf Echtleder =)

    Love, Héloise
    Et Omnia Vanitas

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  2. Ich bin auch der Meinung, dass jeder tun sollte, was in seinem Rahmen der Möglichkeiten geht. Wenn jemand nicht auf Fleisch verzichten kann: gut, soll er machen. Aber mir halt auch die Möglichkeit lassen wenig bzw. gar keins zu essen.
    Ich finde über solche Themen wird eh viel zu viel geurteilt und geredet, obwohl das Dinge sind, die jeder für sich entscheiden kann.
    Und mal davon abgesehen: wenn jeder ein bisschen was dazu beiträgt, wäre die Situation auch schon eine andere. Immer zu sagen: das hältst du eh nicht durch usw. ist auch keine Lösung...

    Und Neid? Puh, dass ist eh ein sehr schwieriges Thema. Kenne ich leider auch schon immer viel... Meine Eltern zum Beispiel sind selbstständig und haben halt früher immer genau für drei Wochen die Firma zu gemacht. Also sind wir drei Wochen in den Sommerferien in den Urlaub gefahren; was bei Freunden und Bekannten immer für große Aufschreie gesorgt hat. Da hat dann niemand gesehen, dass meine Eltern sonst keinen Urlaub machen...

    http://www.blog.christinepolz.com

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  3. Ein sehr schöner und guter Text, denn mir ist es auch aufgefallen, dass Lou sich immer rechtfertigen musst(e). Aber warum? Ich sehe es so wie du, dass jeder für sich entscheiden soll, wie er leben möchte. Im Sinne: Wie möchte ich mich ernähren, werde ich vegetarisch mich ernähren und und und.
    Als ich vor zwei/drei Jahren mit dem Sport angefangen habe, haben auch viele hinter meinem Rücken gelästert, sich lustig gemacht und versucht mich zu entmutigen. Aber ich habe nicht aufgeben, denn sonst wäre ich jetzt nicht bei dem, wo ich jetzt bin. Deswegen; mach das was du möchtest und wie du es möchtest, denn so erreicht du dein Ziel!

    Liebe Grüße, magdaeva von https://lifestylemeetsmagdaeva.blogspot.de/

    P.s.: Die Überschrift ist super gewählt, denn in dem Evangelium geht es ja um das, was du beschrieben hast. Immer werden die Fehler anderer kritisiert, aber nie auf die eigenen geschaut. Lieber alles auf die anderen schieben, aber so kommt man nicht weiter und kann sich nicht entwickeln und das Leben der anderen akzeptieren :)

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