Innere Unruhe und falscher Ehrgeiz



You can't pour from an empty cup. take care of yourself first

Mehr. Mehr. Mehr. Wir wollen immer weiter, höher, besser, schneller - bis es nicht mehr weitergeht und wir stoppen, zurückfallen, abstürzen. 

Ich weiß gar nicht, seit wann ich so ein ruheloser, ehrgeiziger Mensch bin - denn als Kind oder Jugendliche war ich es nie. Sondern eher in mir ruhend, zufrieden, wenig ambitioniert und eher faul. Ich bin nie zufrieden. Wenn ich mein Ziel erreicht habe, kann ich mich kaum drüber freuen, sondern sehe nur, was ich alles noch erreichen kann, wo ich noch hinmöchte, hinwill oder hin"muss" in meinen Augen. 

Seitdem ich mir mit allem, was ich mache, so einen Stress mache, fühle ich mich so oft ausgebrannt, ruhelos oder müde, dass es ein Empfinden von mir selbst geworden ist. Das ist seit meinem 17. Lebensjahr so. Nächsten Monat werde ich 24 und auch wenn ich in vielerlei Hinsicht ruhiger und entspannter geworden bin, verfalle ich oft in alte Verhaltensmuster hinein, sobald ich gestresst bin.
Das fängt beim lernen und arbeiten an und hört beim Sport auf. Ich bin nie zufrieden. Sobald ich eine gute Note geschrieben habe, denke ich nur daran, welche Noten es noch darüber zu erreichen gibt. Sobald ich ein sportlichesZiel erreicht habe (wie dieses Jahr eine 46.05 auf 10km zu laufen), denke ich nur daran, wieviele Mädels es noch gibt, die viel schneller laufen als ich und neben denen ich mich wie ein sportlicher Loser fühle - anstatt auf mich selbst zu schauen und stolz darauf zu sein, dass ich mich stetig verbessere. 

An manchen Tagen breitet sich diese innere Unruhe so in mir aus, dass sie ein Teil von mir wird. Schlafen fällt mir schwer - obwohl meine Augen quasi von selbst zufallen. Ich habe wenig Hunger und möchte nur möglichst viel Kaffee trinken um alle Aufgaben zu erledigen. Meine Mitmenschen nerven mich, ich werde launisch und lasse meinen Stress und meine Unzufriedenheit mit mir selbst an ihnen aus. 

 Ich kann nur woanders ausschlafen. Sobald ich zuhause in meinem Bett schlafe, wache ich morgens früh auf und denke an all die Dinge, die ich noch erledigen möchte oder sollte. 
Viele Menschen verstehen es nicht, dass für mich jeder Tag zählt. Ich bin kein Mensch, der alles aufschiebt und auf den nächsten Tag schiebt oder alles in letzter Sekunde erledigt, weil ich dieses Gefühl nicht ertragen kann, etwas nicht oder nicht rechtzeitig zu schaffen. Ich hasse das Gefühl, einen Tag oder Stunden an einem Tag verplempert zu haben und kann mich auch nicht damit beruhigen, dass morgen ein neuer Tag ist, an dem ich meine Ziele anpacken und verfolgen kann.



Wenn ich etwas mache, mache ich es ganz oder gar nicht. Auf Fleisch (auch) aus ethischen Gründen zu verzichten aber Ugg Boots kaufen - das geht nicht und wenn ich diese Schuhe noch so schön finde. Ich kann nur neben Menschen entspannen, die mir vertraut sind. Fremde Menschen stressen mich und bringen mich durcheinander, sodass mir an schlechten Tagen sogar banale Dinge wie Einkaufen oder zum Arzt gehen, negativen Stress bereiten. Den ganzen Tag zuhause im Zimmer sitzen und lernen? Das geht, denn ich bin dabei alleine und habe meine Ruhe. 

Meine innere Unruhe ist ein Teil von mir geworden und ich würde gerne wieder dorthin zurück, wo ich einmal war. Tage, an denen ich mit guten Gewissen ausschlafen kann und Dinge wie Frühstücken, Baden, Spazierengehen oder Lesen genießen kann, sind selten geworden. Ich gestehe sie mir nur zu, wenn ich vorher genug Leistung gebracht habe. Auch Sport ist für mich keine Zeit der Erholung, sondern ein To Do - Punkt, der abgehakt werden muss. Genauso wie zuviele offene WhatsApp Chats, Instagramkommentare oder ähnliche diverse Soziale Medien, die mich an manchen Tagen mehr stressen, als dass sie mir Spaß bringen. 

Und dabei bin ich selbst wohl ein guter Schauspieler. Denn kaum jemanden fällt es auf. Ich wirke oft fröhlich, lebensfroh und "oberflächlich". Als ob ich das Leben genießen würde, ohne mir Sorgen um die Folgen zu machen. 



Fotos : Erie Ehrenberg (Facebook / Instagram)


Kommentare :

  1. Hey, bisher war ich nur eine stille Mitleserin deines Blogs und auch auf deinem Instagramprofil. Aber dazu muss ich dir sagen, ich habe mich gerade 1:1 in deinem Text wiedererkannt... vielleicht hilft es dir ja, dass es mir genauso geht.
    Ich will soviel schaffen, soviel machen, den Tag sinnvoll nutzen und einfach nach meinem Motto handeln "Jeder ist seines Glückes Schmied"... Aber ich stelle auch immer mehr fest, dass es nicht glücklich macht, immer nur seinen neuen Träumen hinterherzujagen. Ich bin mit nichts zufrieden, sondern will immer alles optimieren, was eigentlich schon gut ist...

    Ganz liebe Grüße aus Aachen,

    Sarah

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  2. Meine Süße ich manchen der Dinge sehe ich mich selbst auch ein kleines Stück. Ich bin zwar glücklich wenn ich meine Ziele erreiche und mache mich auch nicht unebdingt kleiner als ich bin , aber dieses Gefühl ständig irgendwas erledigen zu müssen kenne ich zu gut. Das geht soweit das ich mir auch am Wochenende den Wecker stelle weil ich denke sonst nicht alles schaffen zu können. Ich denke jeder hat solche Angewohnheiten man muss nur lernen in manchen Situationen auch mal abschalten zu Können.


    Liebe Grüße
    Measlychocolate by Patty
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  3. Oh Feli, was für ein wundervoller Text! Der ist echt mitten in mein Herz gegangen. Ich kenne das, die innere Unruhe ist auch mein ständiger Begleiter. Allerdings habe ich sie so langsam im Griff. Am schlimmsten war es Anfang bis Mitte diesen Jahres. So sehr, dass es mir negativ auf den Magen geschlagen ist und ich mir aus gesundheitlichen Gründen den Druck und Stress aus meinem Alltag nehmen musste. Nicht nur auf Arbeit, sondern wie du eben schreibst, auch beim Sport.
    Ich habe keinen festen Trainingsplan mehr, ich gehe, wann ich Lust und Zeit habe. Ich sehe es weder als Ausgleich noch als Pflicht, sonder einfach als etwas, was für mich dazugehört. Wenn etwas nicht gleich klappt, so what?
    Das Leben ist zu kurz, um sich mit negativen Dingen herumzuschlagen, das muss man sich bewusst machen. Aber auch, dass es kein Weltuntergang ist, wenn man eben mal eine Stunde weniger seinen Verpflichtungen nachkommt ;)

    Liebe Grüße
    Anne

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