Loslassen




Nachdem mein Beitrag über mein Studium: Rechtswissenschaften (klick) so gut bei euch angekommen ist, dachte ich, ich halte euch mal auf dem neuesten Stand, was so geht.
Ich bin ein schrecklich durchorganisierter Mensch. Mein Tagesplan steht schon mehrere Tage vorher, ich weiß, wann ich wann was unternehmen möchte, wann ich wann was erledigt haben möchte, wann ich aufstehe und wann ich welcher Sportart nachgehe. 

Es fällt mir extrem schwer loszulassen, meinem persönlichen Tagesrhythmus zu vertrauen und - platt ausgedrückt "auf meinen Körper zu hören". Ich stehe immer mit Wecker auf und gönne meinem Körper nicht, soviel zu schlafen, wie er für nötig hält, aus Angst, den Tag zu verschlafen und unproduktiv zu sein. Also quäle ich mich zwischen 6 und 7 aus dem Bett, bin immer noch müde, obwohl ich 7-8 Stunden und damit das "vorgeschriebene" Maß geschlafen habe und arbeite weiter. Dass ich dabei Raubbau an meinem Körper betreibe, bemerke ich in "hellen" Momenten wie diesen. Und dennoch ist da noch die unendliche To- Do - Liste. Meine hoch gesteckten Ziele. Meine (gefühlten) Verpflichtungen gegenüber Familie und Freunden und manchmal auch gegenüber Menschen, denen ich selbst niemals so wichtig sein werde, dass sie es auf Biegen und Brechen möglich machen werden, sich Zeit für mich zu nehmen. 

Und dann wundere ich mich wieder, warum ich mein Energietank leer ist. Ich fülle ihn nie richtig auf, sondern schöpfe nur ab. So wie ein Auto, was auf dem letzten Tropfen Benzin fährt. Machen wir es nicht alle so? Mehr, mehr, mehr - und immer weniger Zeit für Entspannung. Tief in mir drin weiß ich, dass wenn ich viel lerne, viel und intensiv trainiere und viel "mache", ich mehr Schlaf brauche, mehr Ruhe, mehr Entspannung und mehr Regeneration. Aber natürlich ist durch dieses ganze "Mehr, mehr, mehr" immer weniger Zeit da. Also falle ich um 11 ins Bett, habe keine Zeit und Energie mehr, den Abend entspannt ausklingen zu lassen, schlafe sofort ein und wache am nächsten Morgen verschlafen durch den Wecker auf - zu müde, um irgendetwas zu tun. 

Manchmal frage ich mich, was das bringt. Was habe ich davon, viel zu lernen, viel zu arbeiten, wenn ich immer noch kein Examen geschrieben habe? Nach meinem bisherigen Stand, 5 Jahre nach Schulabschluss, habe ich Abitur. Wow. Dass mein Studium das mit sich bringt, ich nie "nur" studiert habe, sondern immer viel in verschiedenen Jobs nebenbei gearbeitet habe, viel Sport gemacht habe, viele Freunde in verschiedenen Städten besucht und viel gelernt habe, sehe ich selten. Sondern werfe mir vor mit fast 24 immer noch zu studieren. Dabei habe ich noch mein ganzes Leben vor mir. 

Selbstvertrauen habe ich wohl erst in den letzten Jahren entwickelt - seitdem ich mehr und mehr selbstständiger geworden bin, gesehen habe, was ich alles erreichen kann - wenn ich es nur will - ob im Studium, im Job oder im Sport. Dennoch würde ich mir nicht zutrauen, nicht zu lernen und mich auf meine Fähigkeiten zu verlassen. Nicht sofort alles nachzuarbeiten und vorzubereiten und einfach mal darauf vertrauen, dass ich gut zugehört habe und alles noch weiß. Dass ich nicht dumm bin, weiß ich - irgendwo. Trotz der Ergebnisse von Intelligenztests, denke ich oft, dass ich zu blöd bin. Für dieses Studium. Hunderte Male bestanden gegen einmal durchgefallen - und mein Glaube an mich selbst ist hin. So war es schon in der Matheklausur, in der Führerscheinprüfung und in einer Hausarbeit. Immer problemlos durchgekommen - durch die Schule und die Klausuren und durchs Abitur. Ein Fehlschlag - und er wirft mich in meinem Selbstvertrauen zurück. Weil ich nie gelernt habe, mit Niederlagen umzugehen. Ich kannte sie einfach nicht


"Was ich anpacke, gelingt mir." Dieser unerschütterliche Glaube an mich selbst war mir schon immer fern. Und ich bewundere Leute, die ihn haben. Und dies ist wohl das Ziel, mein Wunsch, der mich antreibt. Irgendwann so gut zu sein, dass ich mich auf mich, meine Fähigkeiten, meine Intelligenz und meinen Willen verlassen kann. Ohne Angst vor dem Versagen. 



Kommentare :

  1. Wie du mir aus der Seele sprichst ♥ In der heutigen zeit hat man das Gefühl, immer mehr machen zu müssen: mehr Sport, mehr Arbeit, mehr Freizeit, mehr von allem. Dabei kommt man dann selbst aber immer zu kurz!
    Liebste Grüße, Melina
    www.melinaalt.de

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  2. Hi Feli,
    sehr schön und persönlich geschrieben ♥ ich kann das teilweise ganz gut nach empfinden, was du schreibst. ich bin zwar nicht perfekt organisiert. Aber teilweise mute ich mir auch zu viel zu... Vollzeit Job, Blog, Sport, Familie, Freunde,... aber es tut dann ja auch wieder gut, produktiv zu sein :)

    Ganz liebe Grüße,
    Janina ♥
    http://www.janinaloves.com/

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