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Ich wohne in der Stadt, in die ich mit 4 Jahren gezogen bin, in dem Haus, in dem ich schon fast 20 Jahre gelebt habe. Und es nervt mich gleichzeitig an und ich liebe es. Es ist schön, jedes Mal, wenn man das Haus verlässt, eine bekannte Person zu treffen, beim Weggehen in der Stadt, Leute zu treffen, die man mehrere Jahre nicht gesehen hat und dennoch wieder erkennt. Und es fuckt ab, dass es immer die Leute sind, die du nicht wiedersehen möchtest, während die Menschen, die dich dein Leben lang begleitet haben, weggezogen sind oder im Ausland sind, während du hier versauerst. In den Ferien und an Weihnachten sind alle wieder da und es fühlt sich an wie früher, obwohl sich alles verändert hat. Nur mit diesen Freunden nicht, bei denen du einfach dort weitermachst , wo du beim letzten Treffen aufgehört hast. 

Und der Tratsch bleibt derselbe. Jeder kennt jeden. Jeder denkt, nur weil man sich einmal gut verstanden hat und den anderen kannte, kennt man ihn immer noch und nimmt sich das Recht aus, diesen Menschen zu verurteilen. Denn du änderst dich in ihren Augen nicht. Deine Heimat wird dich nie als den Menschen wahrnehmen, der du bist, sondern immer als der, der du einmal warst. 

Die Nähe zu meiner Familie stärkt mich und hilft mir. Es ist schön, gerade in Phasen voller Erwartungsdruck und Stress, die Verbundenheit und Unterstützung meiner Familie zu haben. Freunde hinter mir stehen zu haben, die mich schon lange kennen. Und diese Nähe schottet dich ab. Das Bedürfnis, neue Leute kennenlernen zu müssen, weil du in einer fremden Stadt bist, wo du niemanden kennst, hast du nie erlebt. Du hattest immer deine Freunde, mit denen du dich  - trotz der ganzen äußeren Veränderung - an den gleichen Orten getroffen hast, wie schon in deiner Jugend. Deine Stadt kennst du in- und auswendig, weißt, welche Clubs cool sind, wo man alleine nachts besser nicht hingeht, welcher Kiosk in den frühen Morgenstunden noch offen hat, in welchem Restaurant es gut schmeckt und wo nicht. Immer der selbe Alltagstrott.


Du kannst den Weg zur Arbeit, in die Uni oder zur Schule nicht mehr sehen, weil du ihn x-Male abgelaufen bist. Die Schönheit deiner Heimat nimmst du nicht mehr wahr, weil sie dir zum Hals heraushängt. Es zieht mich einerseits raus und andererseits möchte ich hier bleiben. Möchte, dass sich einige Sachen nie verändern, dass ich immer ein so enges Verhältnis mit meiner Mum und meiner Schwester habe, wie jetzt, wo wir alle (wieder - Studium: Von zuhause ausziehen) in einem Haushalt wohnen, möchte mein Stammcafé behalten, die Runden, die ich immer gelaufen bin, die Stamm- Kaffee- Klatsch - Dates, die ich immer habe und die Freunde, die schon immer da waren. Denn durch einen Umzug ändert sich immer alles. Neue Gewohnheiten werden geschaffen, neue Routen erkundet, neue Restaurants und Kneipen entdeckt und jeden Tag vergisst du das Alte ein bisschen mehr.














Kommentare :

  1. Das sind wunderschöne City Bilder! Ich konnte damals meine Heimat auch gar nicht mehr sehen, bin dann nach dem Abi für insgesamt 4 Jahre ins Ausland. Danach zog es mich wieder in die Heimat und ich liebe es :-)
    Ganz liebe Grüße aus Hannover!
    xxx Janina
    http://www.janinaloves.com/

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