KOLUMNE: Ghosting / @definitelymarie

Heute gibt es einen Text für euch, den nicht ich, sondern meine Freundin Marie verfasst hat. Es geht um das Thema: "Ghosting".
Wir sind sehr auf euer Feedback gespannt.


Eine Nacht wie jede andere, irgendwo in Deutschland. Eigentlich sollte ich schlafen, denn ich habe morgen Uni. Aber ich kann nicht, aus einem ganz bestimmten Grund. Und dieser Grund ist ER. Er und seine Nachricht oder eher Er und die Nachricht, die er nie abschickte und niemals wird. Die Nachricht, die alles erklärt hätte. 

Wie Philipp Posier es mal so treffend beschrieb. Es ist im Leben einer der härtesten Rückschläge, dass wenn man jemanden braucht, nach ihm fragt und er nicht mehr da ist. Man hat immer geglaubt, dass man vielleicht für den Anderen etwas Besonderes ist und irgendwann merkt man: Okay, vielleicht war das nur eine Hoffnung und vielleicht war das nur der Wunsch, dass man dem Anderen soviel bedeutet. Und dann merkt man, dass das nicht so ist und dann tut es sehr weh.

Und so liege ich in meinem Bett und hypnotisiere mein Handy, ungeachtet der Schmerzen in meiner Brust und das Ziehen in meiner Magengegend, wenn der Gedanke aufkommt, dass dieser Name nicht mehr auf meinem Display erscheinen wird. Ich werde mich einfach von dem Gedanken von ihm und mir verabschieden müssen. Auch wenn es echt schwer fällt und ich es einfach nicht verstehe. In meinen Augen hätte es keinen Grund gegeben für diesen plötzlichen Kontaktabbruch, in meinen Augen wäre alles perfekt geworden Er und ich. Aber so wie es jetzt gekommen ist, ist es einfach nur unfair.

Aber seit wann ist diese ominöse „Ghosting“ zum Volksport mutiert? Wann haben wir aufgehört uns mit Respekt, Anstand und vor allem Ehrlichkeit gegenüber zu treten. Das Phänomen „Ghosting“ hält wieder mehr denn je in unserer Gesellschaft und auch in meinem Privatleben Einzug. In Zeiten von Whatsapp und Co stehen wir alle täglich einem erhöhten Druck durch Social Media entgegen, schon klar.
Doch das kann meiner Meinung nach nicht die Antwort darauf sein, warum (vorwiegend) Männer fluchtartig die virtuelle Hintertür verlassen.
Nachrichten bleiben unbeantwortet, der Kontakt wird abgebrochen, das Gegenüber steht sprichwörtlich im Regen und weiß nicht warum. Denn wer „ghostet“ erklärt sich nicht, er sagt nicht „tschüss“. Er wählt die in seinen Augen bequemere, einfachere Art. Er geht dem möglichen Konflikt aus dem Weg. Er scheut der Konfrontation, die entsteht, wenn er seinem Gegenüber die „unbequeme Wahrheit“ eröffnet. Doch was er nicht weiß, oder nicht wissen will, ist, dass es dieses kleine Wort ist, dass den Betroffenen daraufhin nächtelang nicht schlafen lässt, Bauchschmerzen bereitet und Kummer: „Warum?“ „Warum hat er mir nicht einfach gesagt, woran es liegt?“ Und was ist so schwer daran, dem Gegenüber offen und ehrlich zu offerieren, dass aus einem kein gemeinsames Paar wird. Wenn er einen nicht kennenlernen will, nicht interessiert ist an einem oder generell an etwas oder es gerade nicht in sein Leben passt, dann kann er das doch sagen – und dann soll er das bitte aus!






Und nicht dieses feige Nicht-mehr-melden und den anderen völlig verdattert im Regen stehen lassen … Was ist das bitte?
Und nein, ich finde es keinesfalls ehrlicher, sich aus fehlendem Interesse nicht mehr zu melden, statt Interesse vorzugaukeln. Das ist beides genau gleich scheiße, da gibt es keinen Unterschied für mich. In beiden Fällen ist man dem anderen gegenüber unehrlich und respektlos. Hat man nicht noch den Funken Anstand, einfach zu sagen „tut mir leid, das mit uns beiden wird nichts“ ?
Sicherlich ist das schmerzhaft für das Gegenüber, aber garantiert nicht weniger als dieses unerwartete plötzliche „Ghosting“. Denn der Nachteil belibt: Der Betroffene sieht sich im Ungewissen zurück und wird unnötig belastet.
Und das kann einen ganz schön lähmen. Der Vorteil für den der „ghostet“ ist jedoch: Man kann sich vermeintlich schnell aus der Affäre ziehen ohne sich rechtfertigen zu müssen und rbaucht gar nicht erst auf das wohlmögliche emotionale Gesülze und Argumente des Gegenübers einzugehen, die bei einer direkten Konfrontation entstehen könnten. Obwohl direkte Konfrontation auch schon ein weit gegriffener Begriff ist, denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier über Online – Nachrichten sprechen. Es geht um SMS und Whatsapp, kein 4- Augen-Gespräch. Und was kann so schwer daran sein, 1-2 Zeilen zu tippen? Scheinbar einiges. Denn wohlgemerkt ist die Feigheit oder der Stolz (warum auch immer) größer als der Anstand.

Ich habe dieses Phänomen schon so oft in meinem Bekanntenkreis gesehen und am eigenen Leib erlebt. Und es ist nicht schön. Es bereitet Schmerzen. Die Ungewissheit, warum alles so gekommen ist wie es kam, warum es nicht so geworden ist, wie man dachte und warum er sich nicht einfach erklären konnte.









Kommentare :

  1. LOVE this photo shoot <3 The place looks so summery and reminds me of my childhood <3 you are also so cheerful and smiley!

    HAVE A GREAT DAY <3

    Carmelatte

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  2. Ein sehr interessanter Post! Ich finde es auch Mist sich einfach nicht mehr zu melden und den anderen im Unwissenden zu lassen. Wenn man sich über etwas ärgert sollte man darüber reden. Wenn man wirklich kein Interesse mehr hat, sollte man auch ehrlich sein und es dem anderen mitteilen. Das ist nur fair, stimme da absolut zu :)


    Liebe Grüße, Caro :*

    http://nilooorac.com/

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  3. Ich habe Ghosting noch nie erlebt. Bzw. schon, aber ich habe es nie zugelassen und bin selbst auf die Person los, habe es also gelenkt, und habe gefragt was Sache ist und ob ich meine Zeit noch weiter verschwenden soll. Wo ich gerade bei der Person stehe damit ich von Dannen ziehen kann ;)
    Das wird wieder! Ich habe das aber auch bei vielen in meinem Freundeskreis beobachten dürfen.
    Liebe Grüße,
    Mai von Monpipit.de

    xox

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