"Chill mal deine Basis"


Fotos, die ich für eine Kooperation auf Instagram mit meiner Schwester gemacht habe- und die bei mir mal wieder die Frage nach unserem Körperbewusstsein aufgeworfen haben. Denn ich fühle mich wahnsinnig speckig auf den Bildern und zeige sie trotzdem öffentlich.


Nachdem ich gestern für einen Post bei Instagram eine wahnsinnige Rückmeldung bekommen habe und ich den Post eigentlich nur aus akuter Zeitnot und Stress schnell hingeklatscht habe, wollte ich gerne noch etwas genauer über das Thema sprechen. - 

Instagram quillt über mit Bildern von Leuten, die ihre 6 x die Woche laufen gehen, 3x die Woche aufs Rad steigen, 4x im Schwimmtraining sind und noch 3 x die Woche brav Stabitraining machen. Auch wenn ich Instagram sehr inspirierend finde - oft macht es mir auch ein schlechtes Gewissen. Weil ich keine Zeit habe, soviel zu trainieren - und um ehrlich zu sein, auch keine Lust. Mein Leben besteht nicht nur aus Sport - es setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, von denen viele eine höhere Priorität haben als das sture Erfüllen meines Trainingsplans: Uni, Freunde, Familie, mein Freund, Entspannung, Spaß, Gesundheit usw.
Und dennoch habe ich oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich eine Einheit ausfallen lasse oder verschieben muss. Wenn ich einen Tag keinen Sport machen kann oder machen möchte - aus Zeitmangel, Verletzungs- und Erkältungsgründen oder Regeneration. Die Ausrede #noexcuses bringt mir da wenig, weil ich meinen Körper nicht - wie so viele - in den jungen Jahren zerstören will sondern bis ins hohe Alter gesund bleiben und Sport betreiben möchte. Und das ist mir eindeutig mehr wert als 2kg weniger zu wiegen, weil ich meine 80 Wochenkilometer die Woche abreiße oder meine Bestzeiten einige Monate früher zu erreichen.



Denn manchmal läuft nicht alles so, wie man es sich vorgenommen hat.
Ich bin einer der durchgeplantesten Menschen, die es gibt - das musste ich mir über die Jahre so aneignen, um alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe. Ich habe ein sehr anspruchsvolles, (zeit-)forderndes Studium gewählt, welches ich liebe. Die Entscheidung für dieses Studium bereue ich keine Sekunde. Genauso wenig bereue ich die Entscheidung für den Triathlonsport, ebenfalls eine Sportart, die sehr viel Zeit kostet, da man  3 Sportarten parallel trainieren muss (sollte). Mein Tag beginnt früh und endet spät und für Entspannung nehme ich mir grundsätzlich zu wenig Zeit. Doch auch am durchgeplantesten Tag der Welt kann man nicht alles schaffen, wenn man wenigstens 6 Stunden schlafen möchte, um am nächsten Tag einigermaßen leistungsfähig zu sein.

Von Programmen, die mir vorschreiben, was ich zu welcher Tageszeit auf die Sekunde genau abgewogen essen muss, habe ich mich schon lange verabschiedet, weil sie einfach nicht in mein vollgestopftes Leben passen. Ich sehe meine Freunde eh schon viel zu selten, da muss ich nicht mit einem Salatblatt und einem stillen Wasser neben ihnen kauern und neidisch auf den Burger schielen.
Ich genieße es, mir eine ganze Tüte Gummibärchen zusammen mit meinem Freund reinzuziehen - oder zwei, weil wir immer noch Hunger haben.  

Dennoch habe ich einen - im Laufen detaillierten, im Schwimmen eher groben und im Radfahren faktisch keinen Trainingsplan, den ich gerne befolgen möchte.
Ich möchte meine 4 Laufeinheiten die Woche machen, ich möchte es 3x zum Schwimmtraining schaffen und wenigstens 1 x die Woche ein Stündchen auf der Rolle sitzen. Im Sommer steht immer noch der Plan, mit dem Rad ins Rep zu fahren, mal schauen, wann ich damit beginne. Aber soviele Einheiten die Woche passen nur in meinen Wochenplan wenn es zu Lasten des Schlafs oder der "Quality time" mit meinen Freunden geschieht. Ist es das wirklich wert? Was habe ich davon, 3x statt nur 2x geschwommen zu sein, wenn ich so müde und kaputt bin, dass es mir schwer fällt, ordentlich zu schwimmen; wenn ich so müde und kaputt bin, dass mich das kalte Wasser vollkommen überfordert und ich mich einfach nur in mein kuscheliges Bett werfen möchte? Was habe ich davon, mich zu einer Laufeinheit zu zwingen, auf die ich - aus welchen Gründen auch immer - überhaupt keine Lust habe, anstatt heute das laufen, laufen sein zu lassen und mich stattdessen weiter an meinen Schreibtisch zu sitzen, um meinen "Arbeitsflow" nicht zu unterbrechen und mit Freude zu lernen? NICHTS.

Denn ich bin keine Leistungssportlerin. Keiner erwartet irgendwelche Zeiten und Leistungen von mir - außer mir selbst. Ich werde niemals mein Geld mit dem Sport verdienen, weshalb meine Prioritätensetzung eine andere ist. 

Gerade in letzter Zeit habe ich gemerkt, wie sehr ich mich damit gestresst habe, Sport zu machen. Lieber alle Einheiten schnell abreißen, damit man sie "rum" hat und entspannen kann. Ist das überhaupt sinnvoll? Möchte ich nicht Sport machen, um Spaß zu haben, um mich zu entspannen - und um mich gut zu fühlen? 
Ich mache gerne Sport. Ich mache gerne viel Sport und dafür stehe ich auch gerne mal früh auf. 


Aber manchmal klappt selbst das nicht. Dann komme ich übermüdet um halb 11 nachhause, möchte nur ins Bett hüpfen, weil der Wecker um 6.00 klingelt (oder ich verschiebe das Klingeln auf 6.30 / 7.00) und gehe doch noch zum Süßigkeitenschrank. Obwohl mir der Zucker in dieser Situation mehr schadet als hilft.


BE SO BUSY LOVING YOUR LIFE THAT YOU HAVE NO TIME FOR HATE; REGRET OR FEAR


Im Sommer hatte ich jeden Abend irgendeine Form von (Vereins-)Training und damit keine/wenig Zeit für meine Freunde. Oft bin ich um 22 Uhr nach dem Training noch irgendwo hingefahren, um sie zu sehen und dabei zu sein. Aufs Training verzichten konnte und mochte ich nicht. Es fällt mir ziemlich schwer, von einem Plan, den ich durchziehen will, abzuweichen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, was mich so quält, dass ich mich lieber von vornherein an meine Pläne halte - sei es lernen, Sport oder Essen. 

Das war und ist der Grund, weshalb ich dieses Jahr quasi keine Wettkämpfe mache. Sobald ein Wettkampf ansteht, setze ich mich selbst unter Druck, weil ich eine neue PB aufstellen und den WK bestmöglich beenden will. Ich kann keinen Wettkampf "nur so aus Spaß" laufen, vor allem keinen Triathlon. Beim Spartan Race in Berlin, meinem ersten Hindernislauf ist das ganz anders, dort habe ich keine Vergleichswerte, kein "früher war ich aber schneller", sondern lasse den Hindernislauf einfach auf mich zukommen.


falling down is how we grow, staying down is how we die

Ich bin aktuell zwar nicht in meiner besten "Shape" - aber ich habe keinen Nerv und keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, weil mir mein Examen um Welten wichtiger ist, als die Tatsache, ob ich jetzt 2kg mehr oder weniger wiege, meine Hosen genau passen oder etwas lockerer sitzen oder ob ich auf 5km 10 Sekunden schneller laufe als im Jahr davor. 





Outfit
Schuhe: Saucony Kinvara (danke an Nadja)
Compression Socks: Brooks (auch danke an Nadja, tolles Geburtstagsgeschenk :*)
Hose: Nike Pro Short
Sports Bra: Nike






Kommentare :

  1. So wahr - Sport und Fitness ist eine tolle Sache und ein tolles Hobby, jedoch steht man sich und seinem Leben selbst im Weg, wenn sich alle Gedanken nur darum kreisen. Wie gesagt - es ist eben nur eine Komponente neben vielen!
    Ich habe auch lange viel Sport getrieben, was mir körperlich nicht unbedingt gut getan hat, und gehe jetzt nur Laufen oder zum Yoga, wenn ich da Lust zu habe und weiß, dass ich es genießen werde. Sonst nicht und damit ist alles gleich schon viel entspannter. :)

    xx Ana www.disasterdiary.de

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  2. Sehr passender Titel und ehrliche Worte.
    Ich glaube ab und zu muss man sein Leben selbst reflektieren und es gibt so viele Dinge, die wichtiger sind, als 'in shape'. :)

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