An sich selbst glauben // Köln Halbmarathon 2016





2.10.2016 - Der Köln Halbmarathon 2016 stand an.
Ich befand mich bereits mehrere Tage in Köln, habe auf der Messe gearbeitet, die Zeit mit einer lieben Freundin vom Triathlon verbracht und einige liebe Leute getroffen, die ich nur von Instagram kannte - wie Annika von Myfitgingerlife und Eva - Running_Cologne, die auch Jura studiert und mit der ich die fleißigen Läufer in FFM am 30.10 anfeuern werde. Mit Eva waren wir Eis essen und ich finde es immer wieder schön zu sehen, was für schöne Menschen sich hinter schönen Accounts verstecken. Ich habe über Instagram bereits so tolle Leute kennengelernt - wie auch Lauri, die ich nach viel zu langer Zeit wiedergesehen habe und die ihren ersten Marathon in einer unglaublichen Zeit bestritt! 

Nun zum eigentlichen Thema. Nach 2 Tagen a 12 Stunden Stehen auf der Messe fühlten sich meine Beine nicht bereit, mein Körper nicht bereit, nur mein Kopf hatte Lust aufs laufen. Wer schon einmal auf einer Messe gearbeitet ist, weiß, wie anstrengend das ist. Quasi keine Pause, kein Hinsetzen und lange Arbeitszeiten - dennoch hatte ich riesig Spaß daran, bei Bunert am Adidas Stand zu arbeiten und ich fand die Kollegen auch sehr angenehm, sodass die Arbeit schnell vorüberging. 
Alles in allem habe ich mich aber noch durch die recht geringe Temperatur in der Messehalle erkältet, sodass Flo, den ich mir als persönlichen Pacemaker gesichert habe, gefragt hab, ob ich das Ganze dennoch durchziehen will. JA!
Mein - für mich sehr hoch gesetztes- Ziel von 1.45 wollten wir nämlich zusammen knacken - für Flo ein regenerativer Dauerlauf, nachdem der Verrückte eine Woche zuvor mal eben seine 1. Langdistanz auf Mallorca in 9.10 gefinisht und sich das Ticket nach Hawaii gesichert hat- Flos Leistung könnt ihr hier bewundern,  für mich: 1.45 harte Arbeit. 
Im März bin ich - mit deutlich strukturierterer und isolierter Vorbereitung 1.51 gelaufen, im Wissen, nicht an meine Grenze gegangen zu sein, es ging mir beim Lauf noch viel zu gut.
Die sehr gemischte Saison zwischen diversen Läufen und Triathlon (Sprint- und Olympische Distanz) waren keine optimale Vorbereitung - ich habe zwar viel trainiert aber wie so oft: ohne System. Lange Läufe habe ich ziemlich vermieden, natürlich bin ich vorher noch einmal 18km und einmal sogar 20km mit einer Freundin gelaufen, aber vorher gab es viele Wochen mit höchstens 10km als längster Laufstrecke ;) 2 Tage im Stehen und eine Erkältung bildeten dann auch nicht die beste Grundlage. 
Zudem bin ich nicht wirklich der ausdauerndste Mensch und komme eher über die Kraft, meine Motivation und mein Quälgeist sind nicht so ausgeprägt, sodass ich am liebsten noch im Wohlfühlbereich laufe. Dieses Mal war der Wille, endlich mal 1.45 zu laufen, aber größer. 

Gesagt, getan. In aller Herrgottsfrühe fuhren Charlotte und ich zum Start, wo alles reibungslos ablief, sodass ich pünktlich im Startblock war, wo ich Flo wiedertraf. Warmmachen war auch noch drin, sodass ich relativ guter Dinge auf den Startschuss wartete. 
Untypischerweise (für mich) war ich nicht aufgeregt, sondern stellte mich einfach auf qualvolle (;)) 2 Stunden ein und wusste, dass ich mit Flo eine gute Gesellschaft hatte - obwohl der Arme mich die ganze Zeit unterhalten hat und ich quasi nicht darauf antworten konnte. Wir positionierten uns in der Mitte des 1. Startblocks, obwohl ich eigentlich nach hinten wollte, aus Angst von den schnellen Läufern, die ich im 1. Startblock erwartete, umgerannt zu werden. Entgegen meiner Erwartungen verlief der Start sehr stockend, Flo und ich liefen dann aber (laut seiner Beteuerungen) alles wieder raus, meine Uhr hat nämlich pünktlich einen Tag vorher ihren Geist aufgegeben, sodass ich nichts in der Hand hatte - außer mein Vertrauen in Flo, das Ganze irgendwie zu packen. 
Wir sind die erste Hälfte 2 Minuten schneller als die 2. gelaufen, wohl wissend, dass ich eben nicht zum Ende schneller werde, sondern am Ende immer total eingehe ;)



Aber wie gesagt, einen besseren Pacer hätte ich mir nicht wünschen können. Flo hat mich die ganze Zeit bestens unterhalten und zum Lachen gebracht - die Unterhaltung war leider wie gesagt, sehr einseitig. Bis km 17/18 ging es mir auch gut, obwohl ich merkte, dass meine Beine schwerer wurden. - wie leider normal bei einem Halbmarathon (deswegen laufe ich lieber 5er & 10er ;D). Die Stimmung am Rand war aber stellenweise der Wahnsinn, was meine Motivation nur gestärkt hat (ok, ich gebe zu, bei km18 dachte ich mehr als einmal, warum ich mir diesen Shit eigentlich antue). Ich glaube, mein ganzer Post liest sich wie eine Liebeserklärung an Flo, aber das muss auch so sein. Ohne ihn hätte ich dieses Tempo niemals gehalten, sondern hätte (wie so oft) Tempo rausgenommen, damit es mir gut geht. Flo hat mich die ganze Zeit aufgebaut und unterstützt, meinte was für ein super Rennen ich bisher geliefert hatte und dass ich es jetzt nur noch durchziehen müsste - wo er Recht hat, hat er Recht. Ich versuchte, nur noch daran zu denken, dass ich es in wenigen Kilometern geschafft haben würde, wenn ich jetzt einfach nur weiterlaufe. Während des ganzen Rennens hatte ich keinerlei Ahnung, wie schnell wir gerade liefen, ich vertraute Flo einfach, dass es irgendwie passte - stellte mich aber im Kopf darauf ein, dass ich mit meinem Einbruch bei km 18 eigentlich nicht mehr in der Zeit sein konnte. 

Alleine kann ich mich nicht so quälen. Als wir mit 1.45.03 einliefen, war ich so fertig, dass ich es gar nicht realisieren konnte. Auch heute komme ich noch gar nicht so klar, bin aber endlich einmal stolz auf mich, dass ich das so durchgezogen habe.  Auch wenn ich mir 1.45 als Ziel gesteckt hatte, hätte ich nicht daran geglaubt, dass ich diese Zeit laufen kann.

Ich bin Flo - für mich einer der stärksten Sportler, die ich kenne -einfach so dankbar, dass er mit mir gelaufen hat und mich so unterstützt hat. Nicht nur seine Leistungen sprechen für ihn, sondern vor allem sein Charakter - ja, das klingt abgedroschen. Der Junge hätte wahrscheinlich ne 1.10 hinballern können, ist aber für mich ein Tempo gelaufen, was er wahrscheinlich noch nicht mal bei seinen langen Läufen einlegt und hat mein Leiden ertragen und sich um alles gekümmert, ich musste noch nicht einmal mein Wasser selbst holen. Deswegen: Wer Flo noch nicht folgt, sollte das unbedingt bei YouTube und Instagram tun. - definitiv mein Held !