Wie ich es gelernt habe, meinen Körper zu akzeptieren



Ist man überhaupt jemals zufrieden mit seinem Körper? Ich glaube schon. Warum sollte man sich selbst kasteien, den Körper quälen und schikanieren, ihn hungern und leiden lassen obwohl er doch alles tut, was man von ihm verlangt?

Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, bin ich keine Size Zero Figur, ich trage meistens 38 - 40, bin weder dick, noch besonders dünn, mein Körperfettanteil liegt bei 21%, ich würde sagen, ich habe eine normale Figur.  (bevor hier wieder irgendwelche Kommentare dazu kommen, was unter "normal" zu verstehen ist - einmal hier der Duden: "wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche vorstellt". Und auch wenn die Figurtrends immer mehr entweder in Richtung: "wir müssen so dürr wie möglich sein" oder aber in Richtung: "Ich muss so definiert wie möglich sein" gehen, ist das eben nicht der Durchschnitt der Frauen. (Das ist übrigens alles keine Kritik an Menschen, die dünn und/oder durchtrainiert sind. Es ist nur eine Tatsache, dass heutzutage alle so aussehen wollen bzw von Frauen gerade zu erwartet wird, dass sie so aussehen.)  - Jede Frau darf so aussehen wie sie möchte und wie sie sich wohlfühlt und ich habe es so satt, dass Menschen mir in MEINE Figur, MEINE Ernährung und MEIN Wohlbefinden hineinreden. Lasst euch nicht unterkriegen, Mädels.


Auch wenn manche Menschen das nicht glauben wollen: Ich kann heutzutage sagen, dass ich mit meiner Figur zufrieden bin. Natürlich - an Tagen wie heute, wo ich weiß dass wenn ich ein bisschen weniger Fett auf den Rippen hätte, ich die 5km hätte schneller laufen können, denke ich kurz darüber nach, wie es wäre, etwas weniger zu wiegen. Das heißt aber nicht, dass ich mich schrecklich, fett und schwabbelig finde. Ich finde es schön, (wieder) Kurven zu haben, ich mag auch mein breites Kreuz und freunde mich sogar mit meinen Oberschenkeln an. 

Es gibt keine Tage mehr, an denen ich in den Spiegel schaue und mich abstoßend und ekelhaft fühle, an denen ich minütlich meine Oberschenkel umfasse und sie wegwünsche oder in die Röllchen an meinem Bauch kneife und mich widerwärtig finde. Und das ist genau richtig so.

Aber bis dahin war es ein weiter Weg. Je nachdem wie weit ihr in einer Essstörung / Depression oder anderen psychischen Krankheit drin seid, werden euch meine kleinen Tipps nicht helfen, sondern ihr solltet euch professionelle Hilfe suchen. Man kann nicht alles alleine schaffen. Und das ist auch nicht schlimm. Ihr geht doch auch zum HNO wenn ihr Ohrenschmerzen habt oder zum Orthopäden, wenn euer Knie zwickt. 

Meine Tipps richten sich eher an die, die oft in den Spiegel schauen und unglücklich darüber sind, was sie sehen / Die, die sich mit den ganzen Skinny Girls vergleichen, die ihnen täglich von Instagram herunterstrahlen. Die, die sich schuldig fühlen, wenn sie sich eine Pizza bestellen anstatt den obligatorischen Salat.

Bei mir war es zunächst wichtig, dass ich gelernt habe wie mein Körper gebaut ist, welchem Körpertyp ich am ehesten komme (Mesomorph - einen guten Artikel dazu findet ihr hier) und ich deswegen niemals lange, dünne Beine haben werde; ich niemals zierlich und schmal bin, einfach weil allein mein Körperbau eher breit und muskulös ist. - Ist halt so. Der erste Weg zur Besserung ist die Einsicht ;) Ich werde immer ein Mädchen sein, was den Kuchen nur anschauen muss und davon schon wieder mehr auf den Rippen hat.

Auch wenn der erste Gedanke, den du bekommst, wenn du dich siehst - ob im Spiegel, im Schaufenster oder auf Fotos - ist: "Ich muss dringend 10 Kilo abnehmen", mach dich nicht selbst fertig.
Es gibt Menschen, die abnehmen sollten (aus gesundheitlichen Gründen) und Menschen, die denken, dass sie abnehmen sollten. (dazu gibts bei Fit Trio hier einen super Artikel zum gesunden, langfristigen Gewichtsverlust) 
Gehörst du wirklich zu den Menschen, die zu dick sind?  Oder hast du einfach nur die letzten Wochen etwas über die Strenge geschlagen und ein bisschen das Leben genossen? Das ist keine Sünde. Wir sollten uns niemals für etwas entschuldigen oder schlecht fühlen, was zum Leben dazu gehört. Niemand ist 365 Tage im Jahr "die beste Version seiner selbst". Auch Niederschläge und Stagnation sind ein Teil unserer Entwicklung. Man kann nicht immer 100% geben - auch wenn man das möchte. 

Auch ich brauchte (oder brauche ;)) lange um das zu kapieren. In meinen Augen musste mein Körper immer funktionieren. Ich habe nicht verstanden, dass meine dauernde Müdigkeit und Erschöpfung gegebenenfalls von der permanenten Überforderung kommen könnte, die ich mir seit vielen Jahren antue. Und auch wenn ich immer mehr entspannen kann (jetzt gerade liege ich zB noch im Bett, obwohl Fabian beim Schwimmen ist und ich geplant hatte, mit zu trainieren weil ich einfach keine Lust hatte). Früher wäre das undenkbar gewesen.  Und gerade deswegen muss ich meinen Körper gut behandeln, damit es ihm gut geht. Ihn jetzt noch mit wenig Essen oder einer Diät zu strafen, wo er in der Uni (Prüfungsphase) und im Sport (Saison) Leistung erbringen muss, wäre eher hinderlich als förderlich. 

Deswegen: Sei ganz ehrlich. Überforderst du deinen Körper und er reagiert durch den ganzen Stress mit erhöhten Cortisolwerten, was dich daran hindert abzunehmen bzw eine Gewichtszunahme begünstigt? // Höre nicht auf zu essen, sondern versuche erst einmal, die anderen Baustellen in deinem Leben zu beseitigen und zur Ruhe zu kommen, zu dir zu finden. Vielleicht wolltest du schon immer mit dem Rauchen aufhören und tust es nicht, aus Angst zuzunehmen? Vielleicht überforderst du deinen Körper mit viel Junkfood unterwegs und fängst damit an, dir abends ein gutes, nährstoffreiches Mittagessen für die Arbeit vorzukochen? Vielleicht fehlt dir deine wöchentliche Laufeinheit mit deinen Freunden, die du immer wieder absagst, weil du zu lange im Büro bleiben musst?

HUNGERE NICHT. Wenn du denkst oder weißt, dass du dich ungesund ernährst, beschäftige dich lieber mit  gesunder Ernährung: Kein Ernährungswissenschaftler oder Arzt auf der Welt wird dir raten, zu hungern und damit gesund zu leben. 
YOU CAN'T LIVE A FULL LIFE ON AN EMPTY STOMACH .

Dass eine Essstörung nicht einfach "wenig essen und dünn sein" bedeutet, weiß hoffentlich jeder. Jedoch ist über die Spätfolgen einerseits viel zu wenig bekannt, andererseits wird auch wenig darüber geredet. Sobald jemand wieder ein einigermaßen stabiles Gewicht hat und sich nicht mehr nur noch von einer Salzstange ernährt, gilt er als "geheilt". Dass man auch Jahre später noch an den Spätfolgen leidet und der Körper sich noch lange nicht erholt hat, weiß kaum jemand. Ich bereue meine ES bis heute und spüre heute noch Nachwirkungen - und damit meine ich nicht, dass ich ein schlechtes Gewissen beim Essen bekomme, wenn ich zu viel Quatsch esse, sondern körperliche Einschränkungen. 

Also kasteie ich mich nicht selbst. In anstrengenden Klausuremphasen, generell in stressigen Phasen (zB Umzug, Arbeit, Vorstellungsgespräche etc) setze ich meinen Körper nicht auch noch damit unter Druck, dass ich versuche, so gesund wie möglich zu essen. Wenn ich Lust auf ein Stück Schokolade habe, esse ich es. Wenn ich mit meinen Freundinnen essen gehe, bestelle ich das, worauf ich gerade am meisten Lust habe. 

Ich habe damit aufgehört, mich zu wiegen, weil es einfach frustrierend ist. Ich werde immer viel wiegen, einfach weil ich viel Muskelmasse habe. Und in stressigen Phasen werde ich auch nicht bedeutend abnehmen, dass sich etwas auf der Waage tut. Seitdem ich mich nicht mehr wiege, geht es mir einfach besser. Stellt die Waage weg. Wenn ihr nicht einfach mit aufhören könnt (ich habe schon diverse Nachrichten von Mädels bekommen, die meinen, sie können sich nicht nicht wiegen), gebt sie eurer Mum, die sie aufbewahren soll. Genauso wenig solltet ihr euch ständig selbst vermessen oder euch im Spiegel begutachten, ob ihr nicht doch vllt. 3 g mehr Fett eingelagert habt. Gerade bei Mädels sind Wassereinlagerungen total normal. 

Tragt nur Sachen, in denen ihr euch wohl fühlt. Meine alten Jeans von früher sind schon längst im Altkleidersack, weil ich weiß, dass ich nie wieder in eine Jeans Größe 24 hineinpassen werde, egal wie schön sie auch ist. Ich vermeide Klamotten, in denen ich mich unwohl und eingequetscht fühle und mache manche Modetrends, die nur an dünnen Mädels super aussehen -> Crop Tops gar nicht erst mit. Kümmert euch gut um euch selbst. Nehmt ein Bad, macht eure Nägel, macht eine Maske drauf und entspannt euch. Macht euch so zurecht dass ihr euch schön fühlt. Ich weiß zB dass ich mich wohler fühle, wenn ich meine chlorbedingten Pickel abdecke, so dass ich viel mit Concealer herumlaufe wenn ich Menschen begegne. (Ich habe bei Spotted mal einen Artikel  darüber geschrieben). Seid gut zu euch selbst. 

Ich fokussiere mich auf das, was ich gut kann. Das heißt nicht, dass ich nicht an meinen Schwächen arbeite oder mir einbilde, perfekt zu sein. Ich weiß aber zB, dass ich ein disziplinierter und ehrgeiziger Mensch bin, eine "Kämpferin" wie meine Trainerin sagt,  dafür vielleicht kein Supermodel mit super Modegeschmack oder ein großes Talent in irgendeinem Sport. Stattdessen kann ich viele Sachen ein bisschen und baue diese Stück für Stück weiter aus. 

Leider dürft ihr keine Wunder über Nacht erwarten. Der ganze Prozess nimmt sehr viel Zeit ein und dauert. Manche Gedanken müssen einfach "ausgehalten" werden, wie zB: Wenn ich heute keinen Sport mache, bin ich morgen direkt dick und unsportlich. Macht trotzdem keinen Sport und wartet ab was passiert. Eurem Körper wird es besser gehen. 







Kommentare :

  1. Toller Artikel! Ich denke auch, dass "sich selbst Zeit geben" und Ruhe bewahren so so wichtig ist. Ich war noch nie ein Mensch ohne Selbstbewusstsein, aber trotzdem fühlte ich mich tendenziell neben meinen (super schlanken) Freundinnen als die "etwas mopsige". Da ich aber immer Sport gemacht habe, hat mich das nicht groß genervt. Ich war nie so richtig fokussiert auf meinen Körper und wollte unbedingt dünner sein, aber hatte definitiv meine Phasen, wo ich mich mehr verglichen habe und vor allem meinen persönlichen Erfolg von meinem sportlichen Erfolg abhängig gemacht hab. Das war ein Riesen Fehler.
    Seit ich einfach viel gelassener mit meinem Körper umgehe, mich mit dem Thema Ernährung nochmal komplett neu beschäftigt habe und einfach ein ganz neues, großartiges Körpergefühl habe, geht es mir so viel besser.
    Ich weiß, dass ich so wie ich bin, gut bin und dass mein Gewicht mich nicht definiert.
    Und seit das so ist, habe ich das Gefühl automatisch etwas schlanker zu werden. Mein Tag dreht sich nicht um Kalorien und Essen, sondern ums "Gut fühlen" und das tue ich u.a. mit einer ausgewogenen Ernährung (ich esse mehr als je zuvor *-*) und Sport, auf den ich durch die gute Ernährung fast jeden Morgen automatisch Lust habe.
    Ich hoffe, dass viele Frauen deinen Artikel lesen und sich echt einfach anfangen selbst zu lieben und zu feiern!
    Lieb Grüße <3

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  2. Ich finde es Wahnsinn, wie viele Mädels nicht an sich selbst glauben.Wobei ich sagen muss, dass ich ja selbst auch mal in der Situation war, dass ich mich unwohl in meinem Körper gefühlt habe. Unglaublich wenn man bedenkt, dass die Medien einem das richtig eintrichtern...

    xx

    Marietta

    www.theurbanslang.com

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  3. Ich finde deine Figur wundervoll und kann es gut verstehen, dass du es nicht gut findest, wenn andere Menschen dir da in irgendwas rein reden wollen. Ich reagiere da auch allergisch drauf und meist wird es dann nur schlimmer, weil ich unterbewusst noch weniger Hunger habe, wenn jemand mir Magersucht vorwirft - einfach weil es mich unglücklich macht, als Kranke angesehen zu werden.

    Ich habe es jetzt zum Glück endlich geschafft, mich in meinem Klappergestell-Körper wieder wohl zu fühlen, nachdem mein ständig meckernder Exfreund sich verabschiedet hat. Es tut einfach so gut :)

    Also ich dachte immer, ich wäre von Natur aus pummelig, weil meine Väter (leiblich und Stiefvater) mir das seit meiner Kindheit eingeredet haben. Als dann noch mein Freund meinte, ich wäre zu schwer für mein Pony, nahm ich ja dann viel zu viel ab - nur um zu merken, dass es mir davon nicht besser geht... zum Glück habe ich das jetzt wieder halbwegs im Griff :)

    Dein ganzer Text ist wirklich wunderbar und ich bewundere dich dafür, dass du so offen schreiben kannst!
    Die eigenen Gedanken und Ansprüche sind wirklich das Allerschlimmste... und umso mehr weiß man es dann zu schätzen, wenn man sich endlich mal wieder halbwegs entspannen kann.

    Liebe Grüße

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