Keine Size Zero - na und?




Ich bin groß. Ich bin muskulös. Auch wenn mein Körperfettanteil mit 21% etwas geringer als der durchschnittliche KFA einer Frau (Quelle) ist, wirke ich manchmal massig. Ich trage Größe 38, bei Zara manchmal L, damit mein Kreuz die Tops nicht sprengt, bei Läden, die normale Größen haben, M. Ich würde sagen, dass mein Körper dem Durchschnitt entspricht - weder dünn, noch dick. Wenn ich mir eine Zeitlang  sehr leckeres und „ungesundes“ Essen gönne oder über meinen Verhältnissen lebe, habe ich direkt ein paar Pfunde zuviel auf den Rippen. Und trotzdem verzichte ich nicht darauf und knabbere abends an meinen Salatstängelchen. Auch wenn wir heutzutage darauf getrimmt sind, so dünn wie möglich zu sein, so faltenfrei und perfekt wie möglich zu sein, möchte ich, dass keine Frau vergisst, dass diese Scheinwelt die Normalität ist und sich wegen ihrer komplett normalen, schönen, gesundheitlich guten Figur schämt. 

Umso schlimmer, wenn man sich ständig Gedanken darüber macht, wie der männliche (potentielle) Gegenpart die eigene Figur findet. Auch ich nehme mich da nicht raus, da der Auslöser meiner kompletten Essproblematik (nicht die Ursache) war, dass ich unbedingt für meinen ersten Freund abnehmen wollte, damit wir besser zueinander passen. Ein Grund, weshalb ich einen Mann sofort abschieße, sobald er auf die Idee kommt, mir vorzuschreiben, was ich essen soll oder meint, an meiner Figur herumzunörgeln. Das haben wir Frauen (leider) selbst perfektioniert, dafür brauchen wir die Männer nicht.

Sätze wie „Nur Hunde spielen mit Knochen, richtige Männer brauchen Kurven“ finde ich hier unangebracht, weil sie Frauen, die von Natur aus dünn und schmal gebaut sind, unnötig fertig machen und kränken. - Ich glaube, dass jeder Mann selbst für sich entscheiden kann, wie für ihn die Traumfrau gebaut ist - viel oder wenig Brust, ein bisschen Hüftspeck oder nicht. Und genauso traue ich jedem halbwegs intelligenten Mann die Erkenntnis zu, dass die Figur die unwichtigste Rolle spielt, wenn er in besagte Frau verliebt ist. Der Charakter ist unzählige Male entscheidender als die Tatsache, ob eure Oberschenkel sich berühren oder ihr die berühmte Thigh Gap besitzt. - Das wird euch jeder, nicht komplett minder bemittelte (unterbemittelte) Mann (ehrlicherweise) bestätigen den ihr fragt. Die attraktivsten Männer sind oft mit Frauen zusammen, bei denen wir uns fragen „Was findet er denn an deeeer?“ Tja: Einen Charakter, den andere Frauen niemals haben werden. 

Jeder Körper ist einzigartig und wird niemals dem Idealkörper entsprechen. Egal wieviele Kilos ich abnehmen werde, mein Knochenbau bleibt derselbe, weswegen ich dennoch alleine vom Kreuz her niemals in Kleidergröße 34 passen werde, weil mein Rücken breit ist #tier - selbst wenn ich nur noch aus Haut und Knochen bestehe. Diese Einsicht wird jede von euch früher oder später machen (und ich hoffe, früher, denn umso schneller könnt ihr euch und eure körperlichen Gegebenheiten akzeptieren und schätzen lernen). 

Und auch wir Frauen haben allesamt unterschiedliche Vorstellungen davon, wie unser Traummann aussehen soll - und meistens sieht der spätere Partner dem Traummann dann nicht im Entferntesten ähnlich, übertrifft ihn aber in allen Eigenschaften um das Tausendfache. Wie oft höre ich den Satz „Er ist eigentlich überhaupt nicht mein Typ, aber dennoch liebe ich ihn und genieße die Zeit mit ihm.“ Genauso wenig wie ihr euren potentiellen Partner an der Haarfarbe ausmacht, ist die Figur entscheidend um mit ihm zusammen zu sein. Ich habe mich in Männer jeder Statur verliebt und mich nicht gegen jemanden entschieden, nur weil sein Bizeps 1cm weniger Umfang hatte, als ich mir gewünscht habe. Oder er kein Sixpack hatte.
Und genauso wenig wird euch ein Mann ablehnen oder unattraktiv finden, wenn ihr ein paar Kilos mehr als das Model auf der Zeitschrift wiegt. Oder ein bisschen Hüftspeck habt.