Celticman // an seine Grenzen gehen




Am Sonntag (17.07) ging es zum 2. Ligawettkampf meines Lebens. Nach meinem "Debüt" in Darmstadt (den Post findet ihr hier) war ich super aufgeregt und nervös, habe mich aber zugleich auch gefreut, auch wenn das "Format" sehr ungewohnt für mich war. Eigentlich hieß es Teamsprint, was bedeutet dass alle 4 Ligamitglieder in einem bestimmten Abstand zueinander zusammen bleiben müssen bzw später die langsamste, die nicht in die Wertung kommt, "geopfert" wird. Dass der WK kein Teamsprint war, war mein Glück, da meine Ligamädels allesamt starke Radfahrer und Läufer sind. Ich versuche immer, beim Schwimmen relativ viel "gut zu machen" um so spät wie möglich überholt zu werden. :D Stattdessen stand beim Celticman  zunächst ein Swim&Run an und anschließend ein Sprinttriathlon.





Da wir sonntags relativ früh losfahren mussten (hallo Wecker um 5.45!) habe ich Samstagabend schon alles gepackt und dabei die Packliste von Mandy genutzt, die ihr hier findet. Ich finde sie wirklich super. Das Einzige, was nicht drauf stand, ist der Startpass. 
Meine Mum war zum Glück mal wieder der beste Coach der Welt und hat mich die 2 Stunden zum WK hin und zurück gefahren und mich den ganzen Tag über begleitet, angefeuert und unterstützt. Und natürlich habe ich versucht, die Nacht vorher früh ins Bett zu kommen - dank Orange is the new black jedoch nicht so gut möglich, außerdem bin ich in der Nacht ein paarmal aufgewacht, aus Angst, den Wecker zu überschlafen (bzw. die 3 Wecker :D).
Am Tag vorher habe ich meinen obligatorischen Ruhetag gemacht und am vorherigen Tag einen zügigen, kurzen Lauf (6km in 5.20/km) mit Henrik, die sehr gut liefen.


Wir sind sehr pünktlich losgekommen, ich habe um 8.00 mein obligatorisches Brötchen mit Frischkäse und Gurke und eine Banane gegessen (um 10.50 war der erste Start). - Bei mir ist es immer essentiell, nicht zu spät und nicht zu viel (aber auch nicht zu wenig) zu essen, weil mir schnell schlecht wird. Außerdem kann ich mit einem schweren Bauch auch nicht schnell laufen (bzw "schnell" in meinem Sinne). Deswegen mache ich an einem Wettkampftag auch keine Versuche, sondern esse die Dinge, die schnell verdaut werden und die ich gut vertrage.



Das pinke Startnummernband ist natürlich immer Pflicht! (hier*)

Am Wettkampfort (Borken) trafen wir relativ schnell meine Teamkolleginnen und die Jungs von der Herrenliga waren auch da.
Im Vergleich zu Wettkämpfen, die man nur für sich macht und bei denen man wenige Menschen kennt, finde ich Wettkämpfe wie diesen, wo viele vom Verein sind, bzw man als Team an den Start geht, besonders schön. Es gibt ein ganz anderes Gruppengefühl, überall wird man angefeuert und unterstützt und fühlt sich einfach wohler als in einem anonymen Massenfeld.  Andererseits finde ich Ligawettkämpfe auch - nervig -. Es wird alles auf höchstprofessionell getan - nicht unbedingt vom Veranstalter, sondern von den Teilnehmern. Wer das geilste Rad hat, gewinnt? Genauso wie die Triathleten mit Aerohelmen - ohne einen solchen kann man ja kaum Rad fahren. Umso schöner, dann genau diese Mädels auf der Radstrecke mit meinem alten, gebrauchten Rennrad zu überholen. Meine Mum war auch von dieser Materialschlacht total überrascht, weil es damals in der Jugend ganz anders ablief (na gut, da waren Zeiträder auch verboten und Aufsätze hatten die wenigsten). Aber: Trainieren muss man eben immer noch selbst.



Nach dem Einchecken ging es auch relativ schnell zum Start des Swim& Run. - 400m schwimmen und 2.5km laufen - schnell vorbei. - eigentlich. Denn die Kunst bestand darin, schnell zu sein - aber ohne sich vollkommen zu erschöpfen, weil der eigentliche Triathlon ja noch bevorstand. Und ich bin Meister darin, die ersten Kilometer voll loszulegen und mich danach in eine hechelnde, langsame Masse zu verwandeln. Also ging ich den Swim&Run von der Intensität so an, wie ich die doppelte Distanz beim Sprinttriathlon finishen würde - zumindest vom Gefühl her. Da ich den Wettkampf ohne Uhr absolvierte, hatte ich gar keine Ahnung, wie schnell ich jetzt war. Allerdings kam ich als . Frau aus dem Wasser und konnte mich beim Laufen an einem Mädchen orientieren, die in etwa das Tempo lief, was ich anpeilte. Geschwommen bin ich 7.20 und damit als 9. Frau aus dem Wasser gekommen, obwohl ich vermute, dass die Schwimmstrecke länger war, da die schnellste Zeit auf 400m bei den Damen bei 6.41 lag und diese sonst deutlich schneller sind. Ich bin erst vor einer Woche im Training vorbelastet auf 400m 5.45 geschwommen, also schätze ich die Strecke deutlich länger ein. Gelaufen bin ich dann 12.42 auf die 2.5km - wobei ich hier nicht weiß, wo die Wechselzeit mit drin ist. Damit bin ich als 2. aus meinem Team ins Ziel und insgesamt als 21. von 43 Damen aus der 1. Hessenliga. Nach dem Swim&Run ging es mir erstaunlicherweise super und ich freute mich schon auf den nächsten Start 90 Minuten später. Die Zwischenzeit verbrachten wir mit Apfelsaftschorle und quatschen.



Weiter ging es mit dem "richtigen" Triathlon. Leider hat sich die Sonne ziemlich zugezogen, so dass es sehr kalt war - Neoverbot und Wind haben auch schön dazu beigetragen, dass ich am ganzen Körper Gänsehaut hatte und ungefähr 0 Lust, mich jetzt zu verausgaben. Der Schwimmstart lief leider nicht so schön ab, wie beim Swim & Run wo ich mich relativ schnell aus dem Trubel rausschwimmen konnte. Stattdessen durfte ich mal wieder Bekanntschaft machen mit übermotivierten "Damen", die meinen, Beine festhalten bringt auf jeden Fall etwas, damit die andere einem nicht davon schwimmt. Von dem Spaß trage ich auch immer noch richtige Kratzspuren an der Wade davon. (Ich hasse euch weiterhin). Da kommt mal wieder meine Stärke, die gleichzeitig auch meine Schwäche ist - zum Vorschein: Mir macht es relativ wenig aus, wenn sich eine Frau, die vielleicht 50 Kilo wiegt an mir festhält, ich schwimme einfach weiter. Zudem führten diese Vorfälle wieder dazu, dass mein Wettkampfgeist geweckt wurde und ich einfach nur weg von diesen Furien wollte, damit ich anständig schwimmen konnte. Meine Schwimmzeit liegt bei 12.57, allerdings beträgt die Strecke laut der Garmin eines Freundes 840m, was zu den Zeiten generell passen würde, da auch hier keine wirklich schnellen Zeiten vorliegen. Ich bin als 8. Frau aus dem Wasser gekommen und habe gemerkt, dass ich mich schon relativ angestrengt habe (also kann die Strecke unmöglich schwimmen, da ich bei gleichem Pulswert beim letzten Wettkampf eine 11.32 geschwommen bin) - hier der Bericht dazu.

In der Radzeit (40.08), wellige Radstrecke sind die Wechselzeiten mit drinnen - und meine 1 Minute in der Penalty Box sowie mein hilfloses Herumrennen in der Wechselzone, wo ich denn jetzt meine Zeitstrafe absitzen muss - weshalb ich mit der Radzeit gar nicht unzufrieden bin. Im 1. Wettkampf habe ich ohne Wechselzeiten und  ohne Zeitstrafe nur 1 Minute weniger stehen gehabt. Die Zeitstrafe (Windschattenfahren) hätte nicht sein müssen, jedoch habe ich wirklich einmal den Mindestabstand von 10m nicht eingehalten, weil ich durch meine Teamkollegin noch einmal einen inneren Push hatte, "dranzubleiben" - nur doof, wenn dranbleiben verboten ist.
Nach einem dementsprechend unglücklichen Wechsel auf die Laufstrecke nach der Penaltybox lief der Lauf wenigstens deutlich besser als beim letzten Sprintwettkampf, wo ich keinerlei Kraft in den Beinen nach dem Rad mehr hatte. Motiviert durch meine Mum lief ich dann mit 24.02min auf 5km ins Ziel. Insgesamt habe ich 1.17 gebraucht - und damit trotz längerer Schwimmstrecke und Zeitstrafe 1 Minute weniger als beim 1. Ligawettkampf. 




Was ich eigentlich am meisten aus dem Wettkampf für mich selbst herausgeholt habe, ist, dass ich endlich wieder an meine Grenzen gehen konnte. - Es fällt mir - naturgemäß - sehr schwer, mich zu quälen - ich trainiere lieber viel und laufe dann den Wettkampf im Trainingstempo anstatt vorher anständig zu tapern und beim Wettkampf einen rauszuhauen. Ich kann mich selten wirklich, richtig anstrengen, sondern bin am liebsten in meiner eigenen "comfort zone", die ich durch Training zwar nach oben verschiebe, aber ungern verlasse. Bei diesem Wettkampf hat endlich wieder mein Kopf mitgespielt, ich habe - obwohl ich die Zeitstrafe absitzen musste - nicht mental schon mit dem Wettkampf abgeschaltet und bin den Rest getrabt (anders zB bei den Vereinsmeisterschaften, wo ich die 5km mit fast 26 Minuten im Trainingstempo beendet habe). Wie meine Mum so schön nach dem Wettkampf gesagt hat: "Ich hab dich nach der Zeitstrafe schon aufhören sehen" - einfach, weil sie weiß, wie gering meine Frustrationstoleranz ist. Umso schöner zu sehen, dass ich mich endlich mal überwunden und auch richtig angestrengt habe :)



1 Kommentar :

  1. Toller Beitrag! :)
    Wenn man mal richtig Gas gibt & an seine Grenzen geht, kann man danach umso stolzer auf einen selbst sein. :)


    XX,

    www.ChristinaKey.com

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