Über das schlechte Gewissen beim Essen


Guten Morgen ihr Lieben (auch wenn ich schon fast 4 Stunden wach bin). Eigentlich sollte ich jetzt gerade mit meiner Ligakollegin koppeln, das Wetter macht mir aber mal wieder einen Strich durch die Rechnung - Sommer sieht echt anders aus. Ich hoffe, der Wettkampf am Sonntag wird nicht auch abgesagt wie der parallel stattfindende Triathlon im Rheingau.

Genug blabla, ich nutze meine Lernpause jetzt für diesen Post:


Wie ungefähr everybody weiß, der mir bei Instagram oder hier folgt, komme ich aus einer Essstörung und ja, auch wenn man es mir nicht mehr ansieht und die ganze Geschichte schon 3 Jahre her ist (hier seht ihr ein Bild), sind Teile davon immer noch in mir.

Ich vertrete, wie viele andere Betroffene bzw Psychologen und Ärzte auch die Meinung, dass man diese ganze Essproblematik nie ganz los wird - egal wie lange es schon her ist.


Ich versuche, so gut wie möglich gedankenfrei zu essen - aber es gelingt mir nicht immer. Wie mein Papa so zutreffend sagt: "Essen bedeutet für dich Stress". Damit hat er leider Recht. Denn auch wenn ich derzeit gefühlte Unmengen an Essen verdrücke, regelmäßig esse und meinen Körper nicht hungern lasse, esse ich niemals ohne mir Gedanken darüber zu machen.


Es gibt Tage, da funktioniert alles gut: Ich bin beschäftigt, alles läuft nach Plan (lernen, essen, Training), ich schaue in den Spiegel und fühle mich wohl. Sobald ich "zuhause" esse und für mich kochen kann bzw meine liebe Mum oder Schwester kochen, ist alles prima. Die beiden wissen um meine kleinen Struggles und essen beide sehr gesund und ausgewogen, sodass immer Essen auf dem Tisch steht. Doch sobald ich woanders bin, ob in der Uni, auf der Arbeit und ich es verrafft habe, mir etwas bzw genug mitzunehmen, sind dort schon wieder die inneren Meinungsstreitigkeiten, was ich denn jetzt überhaupt essen kann. Oder wenn ich jemanden woanders besuche. Ich esse dann dort normal mit obwohl mir auffällt, dass mein Körper automatisch mein Hungergefühl unterdrückt und weniger isst, als wenn ich zuhause essen würde. In meinem Kopf entstehen dann mehrere Gleichungen, wieviele Kalorien ich heute schon verbrannt habe, ob ich heute schon genug Sport gemacht habe, ob in der Mahlzeit Sahne ist, wieviele Kalorien diese Portion ca hat und ob ich das essen kann. Und dieser innere Taschenrechner NERVT so unglaublich und setzt mich unter Druck. Ich bin dafür, dass Essen etwas Normales, Selbstverständliches sein sollte - so wie Schlafen und Trinken. Machen wir uns darüber groß Gedanken, außer uns vielleicht vorzunehmen etwas mehr zu trinken und etwas mehr zu schlafen? 

Stattdessen versuchen wir dauernd, unsere Ernährung zu perfektionieren obwohl damit noch keinem geholfen ist.
Natürlich geht es mir besser, wenn ich mich gut und ausgewogen ernähre anstatt mir dauernd Fast Food, Fertiggerichte und Süßigkeiten reinzuschaufeln. Darum geht es mir auch nicht.
Es geht darum, das Stück Kuchen am Geburtstag eines Familienmitglieds oder eines Freundes GENIESSEN zu können, ohne sich dafür innerlich zu bestrafen und anschließend eine Runde laufen zu gehen. Es geht darum, mit seinen Freunden abends wegzugehen und auch einen Burger mitzuessen, wie jeder andere auch, weil man gerade LUST auf einen Burger hat - ob bei Hans im Glück oder von Megges. 

Und ganz ehrlich: Wer von uns kann das noch?
Immer diese Selbstkasteiung, die uns meistens mehr schadet als nützt. Denn die meisten von uns sind nicht krankhaft übergewichtig und müssen um der Gesundheit willen abnehmen. Es geht uns gut, wir sehen gut aus und haben ganz normale Figuren, so wie wir auch ganz normale Menschen sind. Kaum einer von uns verdient Geld damit, wie er aussieht oder wie sein Körper funktioniert, denn die wenigsten von uns sind Leistungssportler oder Models.
Deswegen können wir ruhig einen Gang zurückschalten und uns ENTSPANNEN. 

Ich bin von mir selbst genervt, wenn ich merke, dass ich mir den Kopf darüber zerbreche, ob ich denn abends, wenn es Curry mit Reis gibt, denn auch Reis essen DARF, obwohl ich mir vorher die Seele aus dem Leib beim Bahntraining gerannt bin. Kayla Itsines sagt es ganz richtig mit : "Your best weight is whatever weight you reach when you're living the healthiest life you actually enjoy".

Gesund und ausgewogen zu essen ist super und effektiv - wir fühlen uns besser, es geht uns besser, wir sind leistungsfähiger und aktiver. Und genau deswegen darf sich das Ganze nicht umdrehen und uns mehr schaden als nutzen. Wir sind alle wundervoll - so wie wir sind. Macht euren Körper nicht kaputt. Macht euch nicht kaputt.

mein favourite Outtake-Foto

Kommentare :

  1. So ein toller Post von dir! Mir geht es leider ganz genauso aber ich habe schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Dein Blogpost hat mir noch mal Mut gegeben <3

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  2. So ein toller Post :-)
    Gerne mehr davon!
    Liebe Grüße,
    http://likethewayidoit.blogspot.de/?m=1

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  3. ich kenne das schlechte Gewissen auch nur zu gut! Ich hab eigentlich einen sehr guten Stoffwechsel aber bei so quatsch wie Chips fühle ich mich immer gern schlecht, weil ich weiss dass das direkt ansetzt.
    man muss sich davon irgendwie frei machen!
    xo,
    Louisa

    www.theurbanslang.com

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  4. Wirklich ein toller Post! Ich finde es super wie du mit dem Thema umgehst :)

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.com/

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  5. Ich find's super mutig, wie du darüber schreiben kannst & ich wünsch' dir das beste für deinen weiteren Weg! <3

    x
    Fabienne Sophie

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  6. Hey,
    ich kenn das leider allzu gut, vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive, aber als ganz normal würde ich mein Essverhalten leider auch nicht bezeichnen. Durch die Fitnesswelt wird diese "Orthorexie" dann noch verstärkt. Gut, wenn man dann noch Menschen hat, die einen verstehen und Rücksicht nehmen (das ist nämlich selten der Fall..) Mir hat es geholfen, mal tatsächlich meinen Bedarf auszurechnen und dann täglich die Kalorien zu zählen. Meistens hätte ich am Ende des Tages doch noch was essen können... Dumm ist es halt, wenn man nicht weiß, wieviel in dem Burger oder der Pizza steckt! Aber manchmal hat so eine Art Ernährungstagebuch ja doch eine beuhigende Wirkung!? Ich zähl inzwischen nichts mehr und ess, wenn ich Hunger hab. Aber trotzdem hab ich ab und zu noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich "zu viel" gegessen habe. Ist halt auch ne Art Perfektionismus. Solche Gedanken wird man glaub ich nur mit ganz viel Geduld los! Ich hoffe es jedenfalls!

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  7. Ich habe leider auch große Probleme damit, zu essen, ohne mir Gedanken zu machen. Zu Hause geht es ganz gut, da meine Mutter weiß, was ich esse und was nicht, aber vor allem in Restaurants fühle ich mich total unwohl...
    Aber immerhin Schokoriegel und abgepacktest Eis kann ich ohne Bedenken essen - ich will nur immer genau wissen, wie viel "schlechtes" da jetzt genau drin ist, weswegen Eis aus der Eisdiele einfach nicht möglich ist... :(

    Deine Worte finde ich wirklich gut und auch wichtig - und ich arbeite daran, wieder kopfloser Essen zu können... und auch dir wünsche ich, dass du gemeinsames Essen auswärts wieder ohne Stress genießen kannst... oder zumindest mit wesentlich weniger!

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  8. Das Outfit sieht super schön aus, das sind tolle Sportkleider

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