DAS IST MEIN KÖRPER


Hallo ihr Lieben,
hier ist es gerade aus diversen Gründen etwas ruhiger, deswegen wollte ich euch auf den (etwas älteren) Gastpost von Station Leben aufmerksam machen, den die liebe Mila von mir veröffentlicht hat: Das ist mein Körper. Es geht um Selbstwahrnehmung und Selbstliebe. Ihr findet ihn hier

DAS IST MEIN KÖRPER
Und wieder stehen wir vor dem Spiegel und schauen unseren Körper an: Die Beine zu breit für die Röhrenjeans, warum ist unser Rücken so breit? Warum bin ich nicht so zierlich, wie die ganzen Instagrammädels? Warum sind meine Beine so kurz und sehen aus wie ein Baumstamm? Wo ist meine obligatorische Thigh Gap? Warum sehen die Nike Pro Shorts an meinen Beinen nicht ultra heiß aus, sondern es schwabbelt überall Speck heraus?


Ich muss abnehmen. Dringend. Ab heute esse ich weniger/besser/nichts mehr. Wie konnte ich nur die ganze Zeit so herumlaufen? Am liebsten würde ich mich in meinem Bett verkriechen und schlafen. Um meinen Körper nicht spüren zu müssen. Um mir nicht in meinen Bauch greifen zu müssen um die Speckröllchen in die Hand zu nehmen. Um nicht auf meine breiten Oberschenkel starren zu müssen. Um nichts mehr zu spüren.

Und dann noch die Kommentare, die spaßig gemeint sind und doch so weh tun.  „Du bist halt auch kein Strohhalm im Wind.“ „Du bist eher so der athletische, kräftige Typ“ Ich bin kein Typ, ich bin ich. Und ich wäre gerne zierlich und zerbrechlich, so dass jeder auf mich aufpasst. Dabei muss ich nur auf mich selbst aufpassen. 

„Mit deinen Oberschenkeln kannst du sicher viel drücken.“ „Dein Kreuz ist ja breiter als das von den meisten Typen.“ Ich möchte nicht ständig an meine „Schwächen“ erinnert werden. In euren Augen sind es vielleicht Schwächen, in meinen Stärken. Ich bin Schwimmerin. Ich habe Kraft in meinem Rücken und in meinen Armen und schwimme dir wahrscheinlich davon. Ich trainiere meine Beine und mag es, wie muskulös sie sind. Die Zeiten, in denen ich gerne Streichholzbeine gehabt hätte, sind (glücklicherweise) vorbei.

Ich weiß auch nicht, warum immer andere Menschen uns bewerten – weniger unseren Charakter, aber immer unser Aussehen – zu dem unser Körper einen wichtigen Beitrag beisteuert, und dabei immer weniger auf sich selbst achten. Die Beine der anderen sind immer dicker als die anderen – auch wenn man das nicht so denkt, sagt man das den anderen gerne, damit sie sich schlecht fühlen. Die anderen könnten auch mal wieder etwas gesünder essen oder etwas mehr Sport machen und stopfen sich bei diesen Worten eine Kinderschokolade in den Mund. Natürlich sind nicht alle Menschen so, ich habe es aber schon oft genauso miterlebt. Mein Training ist nicht optimal, ich trainiere zu viel/zu wenig, zu hart / nicht hart genug, esse zu wenig / zuviel, zuviel Kohlenhydrate, gönne mir zu oft was / sollte mal wieder eine Pizza essen, etc. – Alles vollkommener Quatsch. Die einzige Person, die damit zufrieden sein sollte, was sie macht / was sie isst / wie sie ist – bin ICH: DAS IST MEIN KÖRPER.


Vor allem Jungs sind ganz groß darin, Mädchen in ihrem Körper zu beleidigen, sodass diese sich schlecht fühlen und an ihnen zweifeln. Eigentlich dachte ich, dass dieses Verhalten mit der Pubertät endet bzw spätestens mit dem Ende der Schulzeit. Leider weiß auch ich, dass – auch in meinem erwachsenen Freundeskreis – oft irgendwelche abfälligen Kommentare über die Körper von Mädchen gemacht werden, oft nur aus Spaß, manchmal auch ernst gemeint. Ich weiß zB selbst, dass ich gut 5 Kilo weniger vertragen würde, mein Bauch ganz sicher nicht total durchtrainiert ist, ich derzeit kaum sichtbare Bauchmuskeln habe und ich ein sehr muskulöser, eher „breiterer“ Mensch bin. Na und? Das bin ich. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, mein Leben zu leben und keinerlei irrealen Idealen mehr hinterherzurennen. Ich genieße lieber eine Pizza mit meinen Freundinnen, trinke beim feiern auch einmal einen Cocktail anstatt mich an meinem früher obligatorischen Glas Wasser festzuhalten, habe mehr Energie, spüre, dass es meinem Körper gut tut, er gut mit allen Nährstoffen versorgt ist, die er braucht, habe keinen Haarausfall mehr und fühle mich wohl.



Wie ich es geschafft habe, meinen Körper zu akzeptieren, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Es kam im Laufe der Zeit und auch heute gibt es (zum Glück immer weniger) Tage, an denen ich mich unwohl in meinem Körper fühle und am liebsten alles an mir ändern würde. Sei es mein Aussehen, mein Körper, mein Trainingsumfang, etc. Diese Tage werden jedoch immer weniger und die Tage, an denen ich zufrieden mit mir bin, mit dem was ich mache, wie ich mich verhalte, was ich erreicht habe, nehmen stetig zu. Das ist jedoch ein langer Prozess und passiert nicht von heute auf morgen.

Versucht, eure eigene beste Freundin zu sein. Denn eurer besten Freundin würdet ihr niemals gemeine Sachen sagen, warum also euch selbst? Und bei ihr findet ihr es auch nicht schlimm, wenn sie dir sagt, dass sie 5 kg zugenommen hat. Ändert das etwas an ihrem Wesen? Nein. 


Seid nachsichtiger mit euch selbst: Ihr seid auch nur ein Mensch. Menschen machen „Fehler“ und nicht jede objektiv unvernünftige Tat ist unnötig. Auch wenn ihr vielleicht die ganze Nacht am Samstag aus wart, Unmengen an Kalorien in flüssiger Form oder auch als Döner nach dem Feiern konsumiert habt und Sonntag mit einem Kater auf der Coach hingt, hattet ihr vielleicht eine tolle Nacht mit euren Freunden, habt unvergessliche Erinnerungen gesammelt und hattet Spaß. Und das ist in meinen Augen wichtiger, als sich in sein Bett zu verkrümeln, akribisch Kalorien und Makros zu zählen und jeden Tag 5x zum Sport zu rennen. Moderation is the key 


Werft unrealistische Bilder weg – von eurem PC, aus euren Zeitschriften und von eurem Handy.Wollt ihr wirklich so mager sein wie ein Model? Ich denke nein. Die meisten kratzen am Hungertod und schädigen ihre Organe. Ihr wollt doch fit und ausgeglichen, gesund und glücklich sein. Lasst euch von „richtigen Menschen“ inspirieren, auch das Model aus dem Magazin sieht in echt nicht so aus, wie in dem Magazin. 

Setzt euch stattdessen realistische Ziele und arbeitet kontinuierlich an ihnen.
Nicht spricht dagegen, sich Ziele zu setzen; auch etwas abzunehmen, wenn man unzufrieden ist; auf seine Ernährung achten zu wollen oder viel Sport zu machen um seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Wichtig ist aber, dass diese Ziele realistisch sind. Ihr könnt nicht in einem Monat gesund 10kg abnehmen, das würde Hungern bedeuten und keinen langfristigen Erfolg darstellen. Versucht lieber langsam abzunehmen, messt eurem Erfolg im Spiegel und werft die Waage weg. Und habt auch Spaß und esst Pizza mit euren Freunden oder Sushi all you can eat bei einem Date. Genießt euer Leben.

Kommentare :

  1. Mein Vater hat mir mein Leben lang ein ganz schlechtes Bild von meinem Körper vermittelt... So schlimm, dass ich ihn mit als Grund für meine Essstörung bezeichnen würde.
    Mit meinem Körper glücklich zu sein, fällt mir noch sehr schwer, aber ich akzeptiere ihn inzwischen immerhin. Ich weiß, warum es so ist, und ich arbeite daran, dass er wieder schöner wird. (Abgemagerte Beine und Arme in Kombination mit Waden- und Oberschenkelmuskulatur sehen irgendwie merkwürdig aus und Untergewicht ist nichts, was ich dauerhaft möchte.)
    Danke für diesen schönen Post und diesen wichtigen Aufruf zu mehr Selbstliebe!
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Wunderschön geschrieben!

    Liebste Grüße aus Hamburg
    Jenny

    --> BLOND GIRL <--

    AntwortenLöschen
  3. Ein toller Post! Es ist schwer nichts auf die Kommentare der Anderen zu geben, aber die Hauptsache ist doch, dass man mit sich selbst zufrieden ist :)
    Liebe Grüße
    Sarah

    AntwortenLöschen
  4. Das hast du so toll geschrieben! Ich hoffe ich komme irgendwann auch so weit mich so zu akzeptieren. <3

    AntwortenLöschen