Wenn der Sport zum Zwang wird.



Sportsucht  ein suchtartiges Verlangen nach sportlicher Betätigung ohne Wettkampfambitionen. Dies äußert sich in unkontrolliertem, exzessivem Trainingsverhalten und führt zu körperlichen und seelischen Beschwerden. (Definition via http://www.gesundheit.de/krankheiten/psyche-und-sucht/suchterkrankungen/sportsucht)

Ab wann sind wir sportsüchtig? Viele Menschen meinen, ob ernsthaft oder scherzhaft, dass ich es mit dem Sport übertreibe.
Ich gehe 3-4 Mal die Woche laufen, mach 2 Mal die Woche Krafttraining, fahre 1 Mal Rad und gehe 2 Mal ins Schwimmtraining.
Wenn ich könnte, würde ich Ballett tanzen, Crossfit machen, Tennis spielen oder auch wieder mit dem Reiten anfangen. Aber ich weiß selbst, dass ich jetzt schon sehr viel Zeit mit Sport verbringe und man eben nicht alles machen kann. Und dennoch: Ein "Restday" in der Woche fällt mir sehr schwer. Ich staffel dann einfach meine Sporteinheiten und komme so oft auf zwei pro Tag.

Und dennoch: Zum Sport muss ich mich (fast) nie aufraffen. Er gehört bei mir so zum täglichen Leben dazu, dass ich quasi von alleine früh aufstehe, um vor dem Frühstück eine entspannte Runde zu laufen, gerne meine Mittagspause ins Fitnessstudio verlege und auch zu Zeiten, in der andere Menschen noch/schon schlafen, eine Runde laufen gehe oder ein kleines Workout machen.




Bin ich im Übertraining? Ich muss sagen, dass sich mein Körper schon an den ganzen Sport gewöhnt hat. Muskelkater habe ich sehr selten, Knieschmerzen hatte ich lediglich teilweise in der HM-Vorbereitung, in der ich über meine "normale" Dosis Kilometer hinter mich gebracht habe. Von Verletzungen bin ich, bis auf einen dicken Knöchel verschont geblieben. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich teilweise zwei Mal am Tag gelaufen bin, weil ich das Gefühl hatte, dass die erste Einheit zu kurz oder zu langsam war. Wie meine Gelenke das mitgemacht haben, weiß ich nicht. Andererseits habe ich sie vielleicht einfach nicht gespürt und meinen Körper ignoriert. Ich bin auch mit Fieber und Erkältungen so lange wie möglich laufen gegangen und möchte mir lieber nicht ausmalen, was da alles hätte passieren können. Glück im Unglück: Und dennoch: nicht nachmachen, denn es kann  schnell zu Herzmuskelentzündungen führen. Das wusste ich und bin dennoch losgelaufen.
Ich habe Verabredungen abgesagt, da ich sonst keine Zeit für Sport gehabt hätte. 
Ich bin sogar vollkommen verkatert am Neujahrsmorgen um halb 8 ins Fitnessstudio gedüst und der Fitnesstrainer hat mich für verrückt erklärt. Das war zwar nur ein Scherz, aber er hatte Recht. Und alles, damit ich mich 2 Stunden auf den Crosstrainer stellen konnte, aber ohne jeglicher Kraft in den Beinen. 




Diese Phase liegt jetzt zum Glück schon 3 Jahre zurück. Und dennoch: Wenn ich keinen Sport mache, habe ich ein schlechtes  Gewissen, fühle mich faul, unsportlich und aufgequollen.
Aber ich verliere den Bezug zur Realität nicht mehr und weiß, dass ich mir beispielsweise einen Tag zu viel zugemutet habe, wenn ich schwimmen und laufen gehe und somit auf fast 3 Stunden Belastung komme. Deswegen mache ich am nächsten Tag halblang.
Für mich war und ist es unvorstellbar, dass ich mich einmal so verletze, dass ich lange Zeit keinen Sport machen kann. Wahrscheinlich würde ich vollkommen durchdrehen und das ganze mit wenig Essen kompensieren und mich so viel wie möglich anderweitig bewegen. Auch heute noch. Aber ich versuche, vernünftiger zu sein. Ich gönne mir einen Tag Ruhe in der Woche und zwinge mich dazu, samstags keinen Sport zu machen. Dieser Tag fällt mir am leichtesten, weil ich danach fast immer 8 Stunden auf den Beinen bin und arbeite. Aber: kleine Schritte führen zum Ziel. Und vielleicht bin ich irgendwann soweit, dass ich mehrere Ruhetage die Woche schaffe, mir mal eine Woche komplett sportfrei gönne und mit viel Energie in die nächste Trainingsphase einsteige.