Jeder schafft es.


Wenn man mich mit 12 / 13 Jahren gefragt hätte, ob ich jemals einen Halbmarathon laufen würde, ob ich jemals mindestens dreimal die Woche die Laufschuhe anziehe oder ob ich jemals regelmäßig an Läufen teilnehmen würde, hätte ich demjenigen wahrscheinlich ins Gesicht gelacht. Ich habe damals, wie ich schon ein paarmal erwähnt habe, wirklich gar keinen Sport betrieben, außer, dass ich regelmäßig geritten bin. Dass Reiten auch Sport ist, darauf möchte ich jetzt nicht eingehen. Geschwommen bin ich nur in meiner Kindheit. Dennoch war ich in meinen Augen wirklich eines der unsportlichsten Menschen auf der Welt. Auch im Schulsport war ich eine grottige Niete (ich glaube, das wäre heute gar nicht viel besser, weil ich nicht mit Bällen umgehen kann haha). 

Irgendwann fasste ich dann den Entschluss, dass ich Sport machen möchte, also ging ich mit meinem Vater laufen. Ich erinnere mich noch genau an den Anfang, wir beide auf einer 800m Bahn im Wald. Eine Runde durchzuhalten fiel mir schon unglaublich schwer, wir liefen in einem Schneckentempo und ich bin meinem Vater immer noch sehr dankbar, dass er dieses Projekt "Feli sportlich machen" mit mir durchgezogen hat. Fast zeitgleich fing ich mit dem Triathlon an, aber das ist eine andere Geschichte. Hier geht es nur ums Laufen. Ich hatte dennoch nur halbherzig Lust und mein Vater musste mich oft regelrecht dazu zwingen, meinen Hintern hochzubekommen und eine kleine Runde mit ihm laufen zu gehen. Irgendwann habe ich es geschafft, eine 4km Runde bei uns zu laufen und war das erste Mal in sportlicher Hinsicht wirklich stolz auf mich. Also habe ich begonnen, auch mit zwei Freundinnen, die zum Glück alle bei mir um die Ecke wohnten, laufen zu gehen. Nach und nach verlängerten wir die Runde, probierten neue Runden aus und weil man sich gut dabei unterhalten konnte, machte das Ganze Spaß. 

Wir entwickelten immer mehr Ehrgeiz, sprachen davon, bald 10km am Stück zu laufen und trafen uns immer öfters - auch morgens vor der Schule in der Frühe oder abends im Winter, wenn es schon dunkel wurde und wir panisch vor jedem Auto davon rannten. Wir trainierten nicht mit System, wir hatten einfach Spaß dabei. 

Irgendwann entwickelte sich dann bei mir aus Spaß der Zwang. Mir kamen 45 Minuten bis 1 Stunde laufen pro Tag nicht mehr viel vor, weshalb ich oft zweimal am Tag laufen ging und fast zwanghaft meine Zeit runterrannte. Wie meine Knie das mitgemacht haben, ist mir zweifelhaft. -> mehr dazu hier. Den Spaß am laufen verlor ich in dieser Zeit fast komplett, weil ich das Ganze eher als Stress empfand. Ich konnte nachts nicht schlafen, wenn ich nicht mindestens eine Stunde am Tag gelaufen war. 
Das Ganze ist erst wirklich besser geworden, seit ich im Fitnessstudio angemeldet war, weil ich endlich einen Ausgleich gefunden hatte - das reine Schwimmtraining war für mich nicht gleichwertig mit dem laufen, weil laufen ja etwas mehr Kalorien verbrannte, weswegen Schwimmen für mich nicht als Sport zählte (vollkommener Quatsch, weil ich mich im Schwimmbad mindestens genauso verausgabe wie auf der Laufbahn). Selbst heute fallen mir Restdays noch schwer. Dennoch versuche ich mindestens einen pro Woche zu machen.

Ich laufe zurzeit dreimal die Woche und das reicht mir vollkommen aus. So freue ich mich jedesmal darauf, wenn ich meine Laufschuhe anziehe und los kann - in den Wald, Musik an, den Gedanken freien Lauf lassen. Dass ich mich jemals aufs Laufen freue, das hätte ich wohl nie gedacht.
Vorallem weil ich nicht der klassische Läufer bin - ich muss für jede schnellere Zeit sehr hart kämpfen, weil es mir eben nicht einfach zufliegt - dafür bin ich zu kräftig und "breit" gebaut, die typische Schwimmerin eben. Und dennoch: Laufen entspannt mich wie kaum ein anderer Sport.

Warum verfasse ich diesen Text? Weil ich ganz oft von Menschen höre "ich hasse laufen".
1. Warum tut ihr es dann? Es gibt 23879 andere Arten fit zu bleiben. Nur weil gerade ein riesiger Laufhype ist, muss das nichts für euch sein.
2. Man läuft nicht los und liebt es. Meistens jedenfalls nicht. Man braucht eine gewisse Routine, eine gewisse Grundausdauer damit das Laufen wirklich Spaß macht. Die ersten Wochen quält man sich und verflucht es - jeder. 



Kommentare :

  1. mir macht laufen mittlerweile auch immer mehr spaß, weil ich dabei das gefühl habe den kopf so richtig schön frei zu bekommen :-) allerdings laufe ich auch immer nur 5km wegen meiner knie...
    und ich gebe dir vollkommen recht; wenn es keinen spaß macht, kann man es eigentlich gleich lassen, denn regelmäßig wird man dann auch ganz bestimmt nicht laufen gehen.

    herzliche grüße
    franziska

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. danke liebe franziska. was ist denn mit deinen knien? :( 5 km reichen aber auf jeden fall aus :)

      Löschen